Für die Bildung nur das Beste
17.09.2011 | 06:00 Uhr 2011-09-17T06:00:00+0200
Emmerich.Die Hochschule Rhein-Waal schafft ein modernes Raster-Elektronen-Mikroskop für 640 000 Euro an. Emmerich ist einer von nur drei Standorten bundesweit.
Prof. Dr. Kerstin Koch hat schlaflose Nächte. Schuld ist das neue Raster-Elektronen-Mikroskop, das die Hochschule Rhein-Waal jetzt ihr Eigen nennen darf. Nicht, dass der Professorin für Biologie und Nano-Technologie die 640 000 Euro teure Anschaffung Sorgen bereitet, es ist viel mehr die Vorfreude, die sie vor Aufregung nicht schlafen lässt: „Es ist ein Traum“, sagt sie der NRZ. Außer in Köln und Dresden steht bundesweit nur in Emmerich ein solches Gerät, das die zu untersuchenden Oberflächen bis zu 450 000-fach vergrößern kann. Übliche Mikroskope vergrößern tausendfach.
Wissenschaftler reiben sich die Hände
Der Gemini Supra 40VP von Zeiss (Patent-Inhaber) ist das modernste, was die Technik in diesem Sektor bieten kann. Wer innovativ sein will, muss auf dem neuesten Stand sein: „Es bringt ja nichts, wenn unsere Studenten auf 20 Jahre alten Mikroskopen lernen und dann in der Industrie ganz andere Geräte vorfinden.“
Alle Elemente, aus denen eine Probe besteht, können analysiert werden, schildert Prof. Dr. Koch. Die Analyse von Materialien und Oberflächen mag bei Otto-Normal-Verbraucher wenig Aufregung und Neugier erwecken. Aber die Wissenschaftler und künftig auch die Studenten der Hochschule reiben sich die Hände. Viele Kollegen haben sich bereits bei Prof. Dr. Koch angemeldet: „Sie wollen sich das Gerät mal ansehen...“
Fachbereichsleiterin Life Scienes nennt ein greifbares Beispiel für die Anwendung: „Ein Lotus-Blatt. Es ist wasserabweisend und selbstreinigend. In der Bionik könnten wir etwa die Struktur des Lotus-Blattes zur Entwicklung selbstreinigender Fassadenfarben ermitteln.“ Oder in der Kriminologie: Die Polizei findet ein Blatt am Tatort, kann es aber nicht zuordnen. Das Blatt lässt sich nanometer-auflösend auf dem Bildschirm vergrößern. Dem menschlichen Auge entgeht kein Geheimnis mehr. Aber Prof. Dr. Koch betont: Die Anschaffung ist der Forschung verschrieben. Dafür hat es entsprechende Zuschüsse gegeben (die Hälfte).
Die Erstsemester brauchen sich keine Hoffnung zu machen, sich an dem neuen Mikroskop austoben zu können. „Nicht vor dem dritten Semester“, betont Prof. Dr. Koch. Für die Experten der Hochschule gab es eine achttägige Einführung. Das Mikroskop an sich zu bedienen, sei gar nicht so schwer, aber die Nutzung des kompletten Systems schon: „Wenn man da etwas falsches drückt, kann es zu Schäden an den Geräten kommen“, erklärt Koch. Denn außer dem Mikroskop hat die Hochschule eine Präparationseinheit und eine Elementenanalyse angeschafft. Nimmt man etwa ein Rosenblatt, sehen es sich die Wissenschaftler gerne im Querschnitt an. Dazu muss eine möglichst natürliche Bruchstelle erstellt werden. Mit Hilfe von flüssigem Stickstoff wird das Blatt tiefgefroren. In diesem Zustand ist es möglich, eine solche Bruchstelle hinzukriegen. „Es entsteht Rosenbruch in Perfektion“, sagt Axel Hinnemann, Diplom-Biologe.
Prof. Dr. Koch prophezeit: Studenten, die sich künftig Blätter ganz genau ansehen und feststellen, welche Tierchen sich da verbergen, die werden ihren Salat künftig besonders gründlich reinigen...
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