Früher wurde noch am Osterfeuer Gitarre gespielt

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Haldern..  Seit 40 Jahren schneiden die Anwohner der Bach-, Beethoven, Bruckner- und Lortzingstraße alle paar Jahre die zirka 45 Kopfweiden am Brahmelsgraben. Um das typisch niederrheinische Landschaftsbild zu erhalten, aber auch weger der Geselligkeit und der guten Nachbarschaft. Denn bei all der Arbeit, bei der sich mittlerweile auch die Anwohner der Blankenburgstraße beteiligen, so ist es doch vor allem ein gesellschaftliches Event, bei dem selbst die inzwischen erwachsenen und fortgezogenen Kinder gerne mit anpacken.

„So viele wie heute waren wir noch nie“, staunten die Organisatoren, Bernhard Häsel und Winfried Stöwer, angesichts der 30 anwesenden Helfer und das, obwohl der Wetterbericht gar nicht so gut klang. Doch zumindest den ersten Teil des Tages blieb es trocken, so dass die Baumarbeiten zügig voranschritten. „In den Anfängen, 1975, haben wir noch alles alleine gemacht“, erzählten sie. Da griffen sie selbst zur Motorsäge und zum Beil. Inzwischen haben sie Unterstützung von der Firma Oostendorp und auch den Schnitt tragen sie nicht mehr zu einem großen Osterfeuer zusammen. Der kommt heute teilweise zum Bauhof oder wird anderweitig verteilt.

„Schade“, finden dies die Frauen, die an diesem Samstagmorgen in der Küche von Luzie Häsel sitzen und fleißig Brötchen für die Arbeiter schmieren. Zu sechst schmieren sie und schwelgen dabei in den Erinnerungen der letzten 40 Jahren. Wirklich etwas schief gegangen sei nie. Das Highlight ist auch schnell gefunden. Es sei immer so schön gewesen, wenn dann später alle um das große Osterfeuer herumgesessen hätten. „Hermann-Josef Diehl holte dann immer seine Gitarre raus und es wurde gemeinsam gesungen“, erinnerte sich Mechthild Stöwer. Und am Tag der Schneidaktion selbst wurde und wird immer viel erzählt und gelacht, bis zu später Stunde.

Doch nicht nur die Erwachsenen genießen diese Form der nachbarschaftlichen Gemeinschaft. Auch die Kinder sind mit von der Partie. Sie helfen die Zweige und Äste zusammenzutragen und bringen sie zum Häcksler. Mit Gummistiefeln und wetterfester Kleidung stampfen sie durch die nasse Wiese. „Später saßen sie oft hoch oben wie die Vögel in den Weiden“, erinnerte sich Mia Geerts. Und auch der St. Josef Kindergarten profitierte in den Jahren, in den die Weiden geschnitten wurden. „Bestimmt 100 Palmstöcke stammten in diesen Jahren von hier“, betonte Therese Storm.

Besonders stolz sind die Männer und Frauen der Weidekopf-Aktion aber über die gute Stimmung und über die gute Beteiligung. „Es macht einfach Spaß“, lautet der allgemeine Tenor. Und schließlich würden sonst auch nicht alle Kinder extra zu dieser Aktion anreisen. Ob aus Wuppertal oder Mettmann – sie haben heute noch Spaß daran.