Friedhofsgärtnerin aus Haldern hat derzeit Stress

Maria Cornelißen hat viel zu tun. Erst der Regen im Frühsommer, jetzt ein „heißer“ Herbst. Das sorgt jetzt für Stress.
Maria Cornelißen hat viel zu tun. Erst der Regen im Frühsommer, jetzt ein „heißer“ Herbst. Das sorgt jetzt für Stress.
Foto: Konrad Flintrop
Was wir bereits wissen
  • In diesem Jahr sind mehrere Faktoren zusammengekommen, die den Friedhofsgärtnern mehr Arbeit bescheren
  • Der viele Regen im Frühsommer hat das Grün sprießen und einige Gräber einstürzen lassen
  • Die meisten Gräber müssen bis zum Fest Allerheiligen picobello sein

Haldern..  Maria Cornelißen bewegt sich flink, arbeitet effektiv. Sie kann offensichtlich gar nicht anders. Eine Fähigkeit, die ihr in diesem Herbst besonders zugute kommt. „Wir müssen uns ranhalten“, sagt die 61-Jährige. Denn bis zum Fest Allerheiligen müssen alle Gräber fertig sein. Fast alle. Grund für den Zeitdruck: In diesem Jahr sind mehrere Faktoren zusammengekommen, die auf das übliche Arbeitspensum noch ein Schüppchen draufgelegt haben. Zwischen 100 und 150 Pflegegräber betreut das Blumen-Center mit Stammsitz in Haldern.

Messer wird am Grün entlang geführt

„Der viele Regen im Frühjahr und Anfang des Sommers hat das Grün enorm sprießen lassen“, nennt Maria Cornelißen einen der Gründe, während sie die Akku-Heckenschere von der Schubkarre nimmt und anschaltet. Sorgfältig führt sie die Messer am Grün entlang. Das Schnittgut fällt auf eine alte Decke, mit der sie zuvor den Boden beidseitig der Hecke abgedeckt hat. „Sonst müsste ich den Schnitt hinterher mühsam aus dem Mulch klauben“, klärt sie auf. Den gesamten Vormittag wird sie benötigen, um den Pflanzen der zwei nebeneinander liegende Doppelgruften den richtigen Schnitt zu verpassen und sie Herbst-schick zu machen. „In einem zweiten Schritt kümmere ich mich dann um die Neubepflanzung“, sagt sie.

In Zeitdruck ist Maria Cornelißen aber auch wegen der extrem sonnigen Tage im September bis Anfang Oktober gekommen. „Da konnten wir nicht schneiden“, erklärt sie. „Sonst wären die Hecken verbrannt“, fährt sie fort und deutet auf eine Eibenhecke in der Nähe, die während dieser Phase eingekürzt worden ist. Die Schnittstellen zeigen sich gelb-verdorrt. „Klar, das erholt sich alles wieder, sieht jetzt aber gar nicht gut aus“, sagt die gelernte Floristin. Ein Anblick, den sie als Profi ihren Kunden nicht zumuten will und kann. Schon gar nicht vor Allerheiligen. Da muss alles picobello sein.

Pflegegräber auf zehn Friedhöfen

Maria Cornelißen ist jetzt fast täglich auf einem der zehn Friedhöfe, bei denen das Unternehmen Pflegegräber betreut. Nicht nur sie ist dort im Einsatz, sondern auch ihre beiden Angestellten, Landschaftsgärtnerin Petra Schneider und Allround-Talent Irmgard Wingers. „Bei uns sind die Friedhöfe eine Frauendomäne“, sagt die Chefin. Ihr Mann Klemens muss aber auch hin und wieder ran. „Wenn’s für uns Frauen zu schwer wird“, sagt die Haldernerin. Beispielsweise, die abgesackten Gräber wieder anzuschütten. Davon gibt es diesen Herbst einige, eine Folge des langanhaltenden Regenwetters. „Die Gräber sind teilweise mit Bodendeckern bepflanzt, die Arbeit haben wir im Sommer nicht angepackt, weil die Grabstellen sonst lange unschön ausgesehen hätten“, erklärt die Fachfrau. Auch das muss erledigt werden. „Jetzt, wann sonst?“, sagt die Chefin und blickt kurz hoch, während sie die verwelkten rosé Buschrosen abknipst. „Die übrigen lass ich stehen, die blühen noch so schön.“

Überhaupt schont sie alles, was gut gewachsen ist und noch blüht. Zum Beispiel die Heuchera, die hierzulande den schönen Namen Purpurglöckchen trägt. „Die bleibt stehen, die leuchtet so schön im Herbst“, entscheidet Maria Cornelißen.

Die kleinere Zeitspanne, die dem Unternehmen in diesem Jahr für die Herbstpflege der Friedhöfe bleibt, mindert sich noch zusätzlich, weil die Tage kürzer werden. Gottlob müssen die Gräber auf dem Waldfriedhof, dem traditionell evangelischen Friedhof, erst zum Totensonntag fertig sein.

Trotz des Zeitdrucks, wird die Chefin eines ganz sicher nicht tun: mit der Stirnlampe arbeiten. „Das ist nichts für mich“, sagt sie. Und lacht.