Freispruch für den „Dorfsheriff“

Rees..  Im Dienst war der Polizeibeamte nicht, der an der Deichstraße wohnt. Dennoch schritt er im Juni 2013 zur Tat: Denn mehrfach brauste ein Mofafahrer „viel zu schnell und ohne Kennzeichen“ am Haus vorbei, wie der Polizist vor dem Amtsgericht aussagte. Der Beamte ging schließlich zur Straße, stoppte den Fahrer, stellte ihn zur Rede. Als der dann Gas gab, wurde der Mofafahrer vom Gartengerät des „Dorfsheriffs“, wie er sich selbst bezeichnete, verletzt.

Jetzt musste sich der 51-jährige Beamte vor dem Amtsgericht wegen „fahrlässiger Körperverletzung“ verantworten. Nach Schilderung des Beamten hatte ihn der Mofafahrer beleidigt, war dann los gefahren, so dass er nur zur Seite hätte ausweichen können. Dabei, so der Beamte, könnte er den Mann mit dem Gartengerät berührt haben.

Für den Mofafahrer war die Sache aber nicht vom Tisch. Er kehrte wie angekündigt mit drei Freunden zurück, „um das gerade zu rücken“, wie der 51-jährige Mofafahrer aus Kleve, der wohl gerade die Rente beantragt hat, vor Gericht aussagte. Doch zwei von dessen drei Kumpeln hätten „gleich wieder kehrtgemacht, als sie mich erkannten und ich meinen Dienstausweis gezeigt habe“, erinnerte sich der Polizist.

Der hatte mittlerweile seine Kollegen benachrichtigt. Mit ihnen machte er sich kurze Zeit später zur Adresse des Mofafahrers auf. Dort fand man das Zweirad – „frisiert“ und ohne Kennzeichen. Dafür wurde der Mann bereits verurteilt.

Dass später Fotos vom „Dorfsheriff“ in Bäumen in Millingen, Haldern und Haffen-Mehr auftauchten, mit dem Text „Korrupter Polizist: Kein Freund, kein Helfer“, ließ dessen Verteidiger nicht unerwähnt.

An dem Vorwurf, der 51-jährige Beamte hätte ihn mit der fast zwei Meter langen Gartenkralle „in den linken Oberschenkel gehauen“, hielt der Kläger weiter fest. An dieser Darstellung hegten aber sowohl Staatsanwältin, als auch Richterin Dr. Christina Schmitz Zweifel.

„Das kann aufgrund der Fotos, die uns vorliegen, nicht sein“, meinten beide wegen der Art der Verletzung. Die Vorwürfe gegen den Polizeibeamten seien nicht nachvollziehbar, sagte die Richterin. Ihr Urteil lautete: Freispruch.