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Frauen sitzen in einem Boot

21.01.2015 | 18:10 Uhr
Frauen sitzen in einem Boot
Sind künftig gemeinsam in der kfd St. Christophorus: Bärbel Thelemann (v.l.; kfd St. Aldegundis), Christa Schütze (kfd Heilig Geist) und Thea Gregorius (kfd Liebfrauen).Foto: DIANA ROOS

Emmerich.   Aus drei mach eins: St. Aldegundis, Heilig-Geist und Liebfrauen in Emmerich fusionieren zur kfd St. Christophorus. Das Problem ist die Überalterung

Gemeinsame Nöte führen und schweißen zusammen. Da erging es den Katholischen Frauengemeinschaften (kfd) nicht anders als anderen. Auch drei Emmericher kfd-Gruppen haben die Zeichen der Zeit erkannt: Die kfd Liebfrauen, Heilig-Geist und St. Aldegundis fusionieren zur kfd St. Christophorus. Am Sonntag, 25. Januar, wird der Zusammenschluss besiegelt. Um 11.30 Uhr findet zunächst eine Messe mit kfd-Diözesanpräses Gerhard Theben in St. Aldegundis statt, anschließend wird zu Suppe und Jahreshauptversammlung ins Aldegundisheim geladen, wo das neue Leitungsteam gewählt wird.

Noch vor Jahrzehnten schien eine Fusion unvorstellbar. Jetzt ist sie ein Gebot der Stunde, damit die kfd nicht ganz den Bach runtergeht. Denn die einzelnen Gruppen haben ein demografisches Problem: „Wir sind total überaltert“, stellt Bärbel Thelemann von St. Aldegundis fest. Die Lehrerin ist mit 63 eine der Jüngsten, das älteste Mitglied ist 94. Als sie vor einigen Jahren bei der kfd anheuerte, zählte man noch 80 Mitglieder, übrig blieben rund um die „olde kerk“ 29: „Viele sterben uns einfach weg.“

Nicht anders sieht es in Leegmeer aus: „Als ich vor 13 Jahren in Heilig-Geist anfing, hatten wir noch 278 Mitglieder, jetzt es nur noch 129. Ich bin mit 58 mit die Jüngste“, sagt Christel Schütze. Auch in Speelberg war der rasante Abwärtstrend nicht zu stoppen. Vor 20 Jahren verfügte die kfd Liebfrauen über annähernd 500 Köpfe, heute sind es noch 138, wie Thea Gregorius (67) zu berichten weiß.

Warum treten junge Frauen und Mütter nicht mehr wie selbstverständlich ihrer örtlichen kfd bei oder engagieren sich an vorderster Front im früheren Mütterverein? Ist die Kirche out, die kfd ein antikes Auslaufmodell? Fakt ist: „Es kommen keine jungen Frauen mehr nach. Viele sind berufstätig, haben keine Zeit“, weiß Thea Gregorius. Außerdem gibt es heutzutage auch viel mehr Angebote für Kinder, zum Beispiel Krabbel- und Spielgruppen. Die Zeiten, wo 20 Leute zur Kinderwagenparty nach Speelberg kamen, sind vorbei.

Doch auch der lange in Emmerich tobende Kirchenstreit mag eine Rolle gespielt haben, warum sich engagierte Frauen zurückgezogen haben. Einigen wird zudem nicht gefallen haben, dass Münster den Jahresbeitrag von 20 auf 25 Euro erhöht hat.

Dabei hat die kfd so einiges zu bieten und stellt allerhand auf die Beine: Tagestouren, Basare, Strick- und Bastelgruppen für einen guten Zweck, Messen, Besinnungstage, Pfarr- und Erntedankfest usw. Diesen Standard möchte man auch in der neuen kfd St. Christophorus wahren. „Jeder muss einbezogen werden, das ist wichtig“, meint Bärbel Thelemann.

Vor rund anderthalb Jahren streckten die Frauen gegenseitig ihre Fühler aus. Heilig-Geist und Liebfrauen hatten zuletzt sowieso schon einen kurzen Draht. In rund zehn Gesprächsrunden wurde die Fusion schließlich auf den Weg gebracht, vorerst noch ohne St. Martini. „Es gab nie eine Missstimmung, die Zusammenarbeit ist gut“, so Bärbel Thelemann.

Eigentlich wollte sich das Trio längst aus der Vorstandsarbeit verabschieden, doch in dieser besonderen Situation übernehmen die Teamsprecherinnen Verantwortung, wollen die anderen Frauen nicht im Regen stehen lassen und hängen noch zwei Jahre dran.

Bärbel Thelemann wünscht sich, dass die kfd wieder mit neuem Leben erfüllt wird „und nicht mehr so auf dem absteigenden Ast ist“. Und Thea Gregorius sähe es gerne, wenn die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt würde und sich neue Helferinen fänden, die man einspannen könne.

Beispiele zeigen: Frau kann alt werden mit der kfd – und dabei Erfüllung und Spaß finden.

Norbert Kohnen

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2015-01-21 18:10
Emmerich