Frauen fahren flotter
10.02.2012 | 16:17 Uhr 2012-02-10T16:17:00+0100
Praest. Zumindest während der Blitz-Aktion der Polizei gestern Morgen in Praest. Drei Stunden standen Temposünder im Fokus
Es piept im Bully. Das ist das Zeichen. Jetzt muss schnell gehen. Franz Urbanek springt aus dem grün-weißen Polizeiauto auf die Fahrbahn der B8 in Praest, winkt den Fahrer eines roten Pkw heran und lotst ihn samt Wagen so auf den Seitenstreifen. „Ich hab’ 64 km/h gemessen“, gibt Polizeihauptkommissar Jakob Urselmans seinem Kollegen Thomas Erkens mit auf den Weg. Dieser hat sich bereits das tragbare EC-Kartenlesegerät geschnappt hat und ist mit dem Worten „Da haben wir den nächsten“ auf den Weg zum Temposünder.
Ein Frau mittleren Alters ist dem Trio ins Netz gegangen. „Ich wollte eben schnell zur Arbeit fahren“, lautet ihre Entschuldigung. Dieser Weg hat nun einen bitteren Beigeschmack: 25 Euro Verwarngeld muss sie berappen. Sie zahlt lächelnd. „Wenn man einen Fehler macht, muss man eben dazu stehen“. Von dem 24-Stunden-Blitzmarathon der Polizei an diesem Tag hatte sie nichts gehört. Damit ist sie an diesem Morgen wohl eher die Ausnahme.
Wenn plötzlich alle schleichen...
Beim morgendlichen Passieren der Emmericher Südstaaten ist nämlich eines verdächtig: Das langsame Fahren der Verkehrsteilnehmer. „Durch unsere in den Medien groß angekündigte Aktion, sind die Fahrer eben vorgewarnt“, weiß Thomas Erkens. Zudem haben die Polizisten ihr Fahrzeug gut sichtbar seit 6 Uhr an der B8/Ecke Dammweg – es ist die einzige Messstelle an diesem Tag – geparkt. Ideal also, um sich als Fahrer gegenseitig zu warnen. Und dennoch. Es dauert nicht lang, da hat Jakob Urselmans, der mit der „Laserpistole“ die Geschwindigkeit aus dem Bully heraus misst, den nächsten Temposünder ausfindig gemacht: es ist wieder eine Frau. Sie ist mit ihren zwei kleinen Kindern unterwegs. 25 Euro muss sie bezahlen. „Geht das auch mit der EC-Karte meines Mannes?“, will sie von Thomas Erkens wissen. Es geht. Während sie die Pin-Nummer in das Gerät eintippt, ist Erkens nicht untätig. Routinemäßig fällt sein Blick auf die Kinder im Wagen. „Doch hier war alles bestens. Sie waren gut gesichert“, so der Polizeibeamte, der der Frau noch eine „Gute Weiterfahrt“ wünscht. Dass gerade Frauen am Morgen schnell unterwegs sind, verwundert die Beamten nicht. „Erst werden die Kinder zur Schule gebracht und dann geht es schnell zur Arbeit und zum Einkaufen“, so Erkens. Und wer dabei zu schnell ist, wird eben angehalten.
„Viel diskutieren müssen wir mit den Angehaltenen nicht“, sagt Franz Urbanek. Die meisten sehen ein, dass sie zu viel Gas gegeben haben. Gleichwohl hören er und seine Kollegen oft die gleichen Entschuldigungen für die überhöhte Geschwindigkeit. Diese reichen von „Ich musste schnell wohin“ bis „Ich hab das Ortsschild nicht gesehen“.
An die 300 Fahrzeuge haben Jakob Urselmans und seine Kollegen in drei Stunden in Praest in Fahrtrichtung Rees ins Visier genommen. Sieben, fünf davon waren Frauen, sind zu schnell unterwegs gewesen. „Insgesamt ein gutes Ergebnis“, findet Urselmans. Vor allem für die Sicherheit auf der Straße. Denn mit Abzocke habe die Aktion nichts zu tun. „Die Autofahrer sollen aufmerksamer Fahren. Das ist unser Ziel“.
Temposünder: So teuer wird’s
Die Strafe bzw. das Bußgeld für überhöhte Geschwindigkeit hängt davon ab, ob man sich in einer Ortschaft oder außerhalb befindet. Hier ein Auszug aus dem Bußgeldkatalog:
Innerorts, 11 bis 15 km/h zu schnell: 25 Euro
Innerorts, 16 bis 20 km/h zu schnell: 35 Euro
Innerorts, 21 bis 25 km/h zu schnell: 80 Euro und ein Punkt in Flensburg
Innerorts, 31 bis 40 km/h zu schnell: 160 Euro, 3 Punkte und ein Monat Fahrverbot Außerhalb von geschlossenen Ortschaften, 11 bis 15 km/h zu schnell: 20 Euro
Außerhalb, 16 bis 20 km/h zu schnell: 30 Euro
Außerhalb: 26 bis 30 km/h zu schnell 80 Euro, plus drei Punkte
Außerhalb, 41 bis 50 km/h zu schnell, 160 Euro, drei Punkte und ein Monat Fahrverbot
10:42
Sie nehmen sich halt ein Beispiel an der Fahrweise vieler Polizeiwagen.