Fracking: Eva Karnofsky brachte Zuhörer zum Nachdenken

Was wir bereits wissen
Spannende Lesung eines Fracking-Krimis von Eva Karnofsky zog in Anholt nur wenige Zuhörer an. Die allerdings wurden in den Bann der Problematik hineingezogen.

Anholt..  Lag es am schönen Sommerwetter, war der Termin falsch gewählt oder interessierte ein Krimi zum Thema Fracking zu wenig? Nicht einmal die Mitglieder von Isselburg21, welche die Lesung mit Eva Karnofsky organisiert hatten, waren am Samstagabend im Cafe Röschen anwesend, als diese ihren Krimi „Opferfläche“ vorstellen wollte – einen hochaktuellen Politkrimi zum Thema Fracking, der nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern auch sehr informativ ist.

„Bei dem Wetter war mir klar, dass nicht so viel Publikum kommen würde“, meinte die Autorin, die lange Jahre für die Süddeutsche Zeitung in Buenos Aires tätig war, als ARD-Korrespondent bekannt ist und heute in Hamminkeln lebt. Aber da sie schon einmal vor drei Leuten gelesen hatte und der Abend so richtig toll war. Genau dies klappte auch in Anholt. Es war ein spannender und informativer Abend mit persönlichen Informationen, ganz viel Wissen über das Thema Fracking. Langweile gab es keine Minute.

Worum geht’s im Buch? Nach aufreibenden Jahren in Lateinamerika hatte sich die Journalistin Karola Krauss in die Niederrhein-Redaktion versetzen lassen. Doch als zöge Karola Katastrophen magisch an, wird zuerst der Bürgermeister Reinhard Wilke ermordet und dann taucht auch noch ihr Ex-Mann auf. Der arbeitet nun für die Drillex, einem US-Energiekonzern, der am Niederrhein nach der Fracking-Methode Erdgas fördern will. Was Wilke verhindern will, damit der grüne Niederrhein nicht zur Opferfläche wird. Karola recherchiert und stößt auf ein Korruptionsnetz, welches bis in ihre eigene Zeitung reicht.

Eine packende Geschichte um Profitgier, Korruption, Betrug und Enttäuschung und ein hochaktuelles Thema, welches jeden interessieren sollte, der seine Heimat liebt und sie so behalten möchte, wie sie ist.

Aber warum gerade das Thema Fracking? Die Journalistin, die 2003 wieder nach Deutschland gezogen war, war bei ihrer Freundin Christa zu Besuch, als ihr Mann Holger Schliers, der Bürgermeister von Hamminkeln, von einer Sitzung über Fracking nach Hause kam.

„Bis dahin war Fracking mir fremd“, erklärte Karnofsky, „und ich war entsetzt, als Holger anfing zu erzählen“. Und da sie eh einen Krimi schreiben wollte, hat sie sich über das Thema informiert und es zum Mittelpunkt ihres Romans gemacht, zumal ja die Bedrohung am Niederrhein unmittelbar ist.

Zuhörer Stefan Lümen, der eigentlich nur einem guten Krimi lauschen wollte, war angesichts des aktuellen, aber doch fremden Themas erschüttert. „Ich habe darüber überhaupt nichts gewusst,“ erklärte Lümen, „doch jetzt werde ich mich darüber einmal schlau machen.“

Am Ende war es trotz der geringen Beteiligung ein lustiger und informativer Abend. Andreas Paschert brachte es auf den Punkt: „ So etwas Hochkarätiges hier auf dem Dorf habe ich noch nie erlebt.“