Fördern und Fordern

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Emmerich..  2650 Langzeitarbeitslose zählt das Jobcenter der Stadt Emmerich aktuell zu ihren „Kunden“. Beim Business-Frühstück der Wirtschaftsförderung Emmerich im PAN erfuhren die zahlreichen Besucher mehr darüber, wie das Jobcenter arbeitet.

Sanktionen können hart sein

Unter den 2650 Hartz IV-Empfängern in Emmerich, berichtete Harald Goertz, Teamleiter Arbeitsförderung im Jobcenter, sind auch die Aufstocker und Jugendliche zu zählen. Defacto sind „nur“ 1266 Personen arbeitssuchend. In 2014 wurden rund 400 Menschen in Arbeit vermittelt, aber etwa genau so viele haben sich neu arbeitssuchend gemeldet. Kernproblem der Vermittlung sei die fehlende Qualifikation. „Nur ein Drittel der Kunden ist ausgebildet“, so Goertz.

Emmerich hat sich auf die Vermittlung der Unter-25-Jährigen spezialisiert. Aus der Zielgruppe seien aktuell 102 Personen zu vermitteln, so Fallmanager Stephan Tauchmann.

Schon ein Jahr vor dem Schulabgang nimmt das Jobcenter Kontakt zu den Schülern auf, um ihre Berufsziele abzufragen und bei Bedarf schon frühzeitig zu unterstützen. „An erster Stelle steht das sogenannte Profiling“, so Tauchmann. Da werde die bisherige Laufbahn analysiert, Vermittlungshemmnisse erkannt, Aktivierungshilfen in Betracht gezogen und vielleicht sogar schon eine Ausbildung vermittelt. „Alles vor dem Hintergrund der Lebenswirklichkeit der Kunden“, so Tauchmann.

Ziele seien die persönliche und soziale Stabilisierung der Arbeitssuchenden, die berufliche Qualifikation, die Ausbildungs-/Beschäftigungsreife erlangen und schlussendlich der Übergang in den Job. „Grundsätzlich fördern wir die Eigenverantwortung der Kunden“, sagt Tauchmann zu den Grundsätzen des Jobcenters. Ferner gelte es, individuelle Ressourcen zu erfassen: „Vielleicht ist da auch etwas verschütt gegangen.“

Die Maxime Fördern und Fordern hat hier besondere Bedeutung: „Die Sanktionierung kann gegebenenfalls hart ausfallen. Bei Verstößen, wenn jemand zum Beispiel eine Maßnahme nicht besucht hat, könnte drei Monate lang das Geld gestrichen werden“, schildert Tauchmann.

Den anwesenden Unternehmern wurde die bezuschusste Einstiegsqualifizierung (EQ) ans Herz gelegt. Bei diesen sechs bis zwölf Monate dauernden Praktika können Arbeitssuchende den Beruf erproben und zugleich könne der Arbeitgeber den Kandidaten kennenlernen. Vielleicht wird ja der Mitarbeiter von morgen entdeckt.

Qualifikationen werden finanziert

René Pommerin vom Jobcenter appellierte an die Arbeitgeber, ihre Jobangebote zu melden. „Sie teilen uns ihr Profil mit, wir machen eine Vorauswahl. Wir haben keine Maschinen, wir kennen unsere Kunden noch persönlich.“ Wenn es an Qualifikationen wie einen Staplerschein oder einen Lkw-Führerschein mangelt, hilft das Jobcenter.