Falschaussage gegen Bordell-Chef?

Emmerich..  Am Ende der Verhandlung hieß es: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Vor dem Emmericher Amtsgericht musste sich jetzt eine 55-Jährige wegen falscher Verdächtigungen verantworten. Der Grund: Im vergangenen Jahr soll sie bei einer Vernehmung beim Hauptzollamt Emmerich den Falschen beschuldigt haben. Bewusst. Denn sie hätte es besser wissen müssen. Das zumindest warf die Staatsanwaltschaft der Niederländerin vor.

Vernommen war die zweifache Mutter, die in Nimwegen lebt, weil der bordellähnliche Betrieb in Kranenburg, in dem sie immer mal wieder an der Theke aushalb, in Verdacht steht, für einen bestimmten Zeitraum keine Abgaben geleistet zu haben. In ihrer Vernehmung sollte die Angeklagte nun Revue passieren lassen, wann wer diesen Betrieb geleitet hatte. Während sie bei einer ersten Aussage bei der Polizei drei Personen genau benennen konnte, waren es bei der Vernehmung im Hauptzollamt nur zwei.

Nicht mit Absicht

„Meine Mandantin hat das sicher nicht mit Absicht gemacht“, wagte der Verteidiger einen Erklärungsversuch. Es sei das erste Mal gewesen, dass die Angeklagte in einer solchen Sache hatte aussagen müssen. „Sie war sicher sehr aufgeregt.“ Zudem spreche sie auch nicht gut Deutsch.

Bei der Vernehmung im vergangenen Jahr wurde sie zumindest auf Deutsch befragt und musste sich auch auf Deutsch verständigen. Zur Verhandlung gestern war zumindest eine Dolmetscherin geladen.

Während seine Mandantin nur Angaben zur Person machte, verlas der Verteidiger eine Einlassung der Angeklagten. Hierin unterstrich diese noch einmal, nicht mit Absicht jemanden beschuldigt zu haben. Sollte es durch ihre Aussage damals zu Unannehmlichkeiten beim Beschuldigten gekommen sein, „tut es mir leid. Dafür entschuldige ich mich aufrichtig. Ich wollte nicht, dass jemand zu Schaden kommt“.

Ob sie nun absichtlich bei der zweiten Vernehmung einen Leiter des bordellähnlichen Betriebes nicht genannt hatte, ließ sich gestern nicht mehr klären. Staatsanwalt und Verteidiger plädierten daher auf Freispruch. Den gab es dann auch von Richterin Dr. Christiane Schmitz.

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