Fällaktion Holländerdeich in Rees-Emmerich beginnt

Diese Pappeln sollen fallen. Das möchten die Städte Rees und Emmerich, weil sie hier die Verkehrssicherungspflicht haben und viel Totholz auf den Weg fällt. Aber auch der Naturschutz möchte, das hier gefällt wird – um den Wiesenvöglen bessere Lebensbedingungen zu bieten.
Diese Pappeln sollen fallen. Das möchten die Städte Rees und Emmerich, weil sie hier die Verkehrssicherungspflicht haben und viel Totholz auf den Weg fällt. Aber auch der Naturschutz möchte, das hier gefällt wird – um den Wiesenvöglen bessere Lebensbedingungen zu bieten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hybridpappeln werden geschlagen, um Uferschnepfe & Co. einen bessern Schutz vor Greifvögeln zu bieten. Die Städte Rees und Emmerich befürworten die Aktion – aus Gründen der Verkehrssicherheit.

Millingen/Emmerich..  Aufgrund ihres Alters sind die Hybridpappeln am Holländerdeich mittlerweile bruchgefährdet. „Und damit auch eine Gefahr für Radfahrer und Spaziergänger, die diesen alten ‘Schmugglerpfad’ über die ‘Grüne Grenze’ nach Megchelen gerne nutzen“, sagt Martin Brühne, Diplom-Biologe beim Kreis-Naturschutzzentrum mit Sitz in Bienen. Somit sind die beiden Kommunen Rees und Emmerich aufgrund ihrer Verkehrssicherungspflicht daran interessiert, die Hybridpappeln zu beseitigen.

In diesem Falle ist auch der Naturschutz dafür, denn in einem bereits 1998 aufgestellten Biotopmanagementplan für das Naturschutzgebiet Hetter-Millinger Bruch wurde die Entfernung von nicht heimischen Gehölzen (insbesondere der Hybridpappeln am Radweg Holländer Deich) als eine prioritäre, also vorrangige, Maßnahme empfohlen (die NRZ berichtete).

Sichthindernis für die Wiesenvögel

Der Grund liegt unter anderem darin, dass die hoch aufgewachsenen Hybridpappeln als unnatürlicher Querriegel ein massives Sichthindernis vor allem für die besonders geschützten Wiesenvögel darstellen. Denn neben einer extensiven Bewirtschaftung des Grünlandes und bis in den späten Frühling hinein feuchten Wiesen, sind offene, von hohen Gehölzstrukturen freie Flächen im Umfeld des Brutgebietes wichtig.

Zu hohen Gehölzen halten Wiesenvögel wie zum Beispiel Uferschnepfe, Rotschenkel, Großer Brachvogel und Kiebitz, die in diesem Schutzgebiet besonders gefördert werden sollen, Abstand. Denn potentielle Feinde können die Bäume als Deckung und als Ansitz nutzen. Für viele Wiesenvögel spielen höhere Bäume somit eine negative Rolle bei der Auswahl ihrer Brutreviere und führen daher zum Verlust an potentiellem Lebensraum.

In diesen Tagen wird die Maßnahme nun umgesetzt und die nicht heimischen Gehölze durch eine deutlich niedrigere artenreiche Hecke und durch niedrigwüchsige einheimische Bäume wie Wildapfel und -birne, sowie Kopfeichen und -weiden ersetzt.

Dazu Martin Brühne: „Die Maßnahme erfolgt in einem breiten Konsens mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Kleve, den Städten Rees und Emmerich, dem Regionalforstamt Niederrhein, dem Deichverband Bislich-Landesgrenze, der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein und dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve.“

Nicht nur für Uferschnepfe & Co. wird so der benachbarte, besiedelbare Lebensraum vergrößert, sondern auch blütenbesuchende Insekten finden zusätzlich Nahrung in der Hecke und den blühenden Obstbäumen. Vögel und Kleinsäuger können zudem im Winter deren Früchte nutzen.

Und nicht zuletzt wird auch der Mensch davon profitieren, wenn er in Zukunft den Radweg ganzjährig nutzen kann, so der Diplom-Biologe weiter. „Im Frühjahr fährt man dann durch eine Blütenpracht und kann die schöne Landschaft genießen, mit den ‘Grütto-Grütto’-Rufen der Uferschnepfen im Hintergrund.“