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Ewald Brammens Heimkehr

27.01.2012 | 16:31 Uhr
Ewald Brammens Heimkehr

Speelberg.   69-jährig kehrt er nach 48 Jahren nach Emmerich zurück und unterstützt das Seelsorgerteam. Er wohnt wieder in Speelberg.

Es gibt schon seltsame Fügungen. 1964 hatte er gerade die Reifeprüfung am altsprachlichen Gymnasium abgelegt und war im Begriff, Speelberg zu verlassen und Theologie zu studieren, um Priester zu werden. 48 Jahre später, vorigen Samstag, hält er erstmals wieder einen Gottesdienst in seiner Speelberger Heimatpfarre, und welches Evangelium steht an? Markus 1,15-20, wo Jesus am See Galiläa seine ersten Jünger rekrutiert, Fischer, die er zu Menschenfischern machen will.

Ewald Brammen blickt an diesem Abend in der Liebfrauenkirche in viele bekannte Gesichter. Der 69-Jährige, inzwischen pensioniert, ist heim gekehrt. Auf eigenen Wunsch nach Emmerich. Dorthin, wo alles begann, wo auch er einst den Ruf vernahm: Komm mit!

„Hallo Ewald!“

Er sei froh, bekannte Brammen in seiner Einstandspredigt, diesen Weg gegangen zu sein, der ihn unter anderem nach Bocholt, Bedburg-Hau und Werth führte. Emmerich dürfe sich glücklich schätzen, zwei so junge Priester zu haben, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht hätten und Menschen für Gott begeisterten.

Die Hörsäle waren bei Prof Joseph Ratzinger immer voll.

Für Ewald Brammen schließt sich in Speelberg der Kreis. Seit gut acht Wochen wohnt er nun auf der Speelberger Straße, gar nicht so weit weg vom Waldweg, wo seine Mutter Bernhardine aus dem Scheers-Clan ihn und seine ältere Schwester (Ordensfrau in Paderborn) alleine großzog, weil der Vater im Krieg blieb.  Erinnerungen, Wiedersehen, vertraute Straßennamen, Plätze: „Das finde ich ganz schön, wenn ich einkaufe oder auf der Rheinpromenade gehe und die Leute mich ansprechen: Hallo Ewald!“ Es sind frühere Weggefährten, mit denen er auf dem späteren Kasernengelände gespielt hat, das Jugendheim aufbaute, als Ministrant am Altar diente, Ferien auf Ameland verbrachte und 1970 die Heimatprimiz feierte.

Die zweite Fügung war die Begegnung mit dem Dogmatik-Professor Joseph Ratzinger. Ihm reiste der junge Student aus Speelberg nach: erst Münster, dann Tübingen. Bleibende, prägende Eindrücke. „Die Hörsäle waren immer rappelvoll. Er hielt seine Vorlesungen mit geschlossenen Augen. Wir haben ihm fasziniert zugehört.“ Gab es wenigstens ein klitzekleines Indiz dafür, dass dieser außergewöhnliche, reformfreudige Gelehrte einmal Papst werden würde? „Das konnte man damals nicht ahnen“, antwortet Brammen.

Später kam er ihm noch einmal ganz nah, nun als Papst, als Benedikt XVI, bei der Seligsprechung Kardinal Graf von Galens im Oktober 2005 in Rom. Brammen saß im Petersdom weit vorn, vor ihm die Kardinäle Meisner und Lehmann. Als der Papst an ihm vorbei bog, „hat’s mich vom Hocker gerissen“.

Das war eigentlich eine untypisch euphorische Reaktion für einen Emmericher. Der ist laut Ewald Brammen nämlich „lustig, aber nicht überschäumend“.

Norbert Kohnen

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