„Es steht viel auf dem Spiel“

Emmerich..  Pfarrer Bernd de Baey (50), seit sieben Monaten in Amt und Würden, zeichnete auf der ersten Sitzung des Rates der Seelsorgeeinheit ein ungeschöntes Bild der Gegenwart. „Dieser Konflikt ist immer noch nicht bereinigt. Es gibt einen Riss, der durch die Gemeinde geht.“ Äußerlich sei alles friedlich, aber er spüre, dass der Konflikt weiter schwele. Dieser habe eine zerstörerische Wirkung gehabt, die verheerend nach innen und außen gewirkt habe: „Der christliche Anspruch ist weitgehend verspielt worden.“ Als mahnendes Beispiel führte er die katholische Kirche in den Niederlanden Ende der 60er Jahre vor Augen, wo sich Konservative und Fortschrittliche zerfleischt hätten mit dem Resultat, dass viele Kirchen geschlossen werden mussten. Von einst neun Kirchen in Arnheim sei eine übrig geblieben. „Auch bei uns hier steht viel auf dem Spiel“, warnte er. Die Kirche müsse sich wandeln und von traditionellen Bildern Abschied nehmen: „Wir brauchen Öffnung und Mut.“ Er sei froh, dass sich viele bereit erklärt hätten, mitzuwirken, wohl wissend, dass der Konflikt sie weiter latent begleite. Jeder müsse das Beste für die Kirche wollen. Niemand sei im Besitz der allein selig machenden Wahrheit. Er bat inständig, von Unterstellungen und Mutmaßungen Abstand zu nehmen, sondern von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Diese neue Gesprächskultur brauche viel, viel Zeit und bedürfe vieler kleiner Schritte. Man könne das Pflänzchen Versöhnung nicht einfach aus dem Boden ziehen: „Das muss von selber wachsen“, so der Hobbygärtner.