Es gibt in Emmerich noch einen weiteren Verdachtsfall

So sah das gefährliche Objekt der Begierde nach der Befreiung aus dem Erdreich aus.
So sah das gefährliche Objekt der Begierde nach der Befreiung aus dem Erdreich aus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine 250 Kilogramm schwere US-Fliegerbombe wurde in Emmerich zwischen Weseler Straße und Groehndahlscher Weg entschärft. Es könnte noch eine weitere Bombe im Erdboden schlummern.

Emmerich.. Es gibt angenehmere Dinge, als bei Windstärke 8 auf einem schlammgetränkten Acker zu stehen und eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg zu entschärfen. Uwe Palmroth machte mit dem 250 Kilogramm schweren, rot-braunen Stahl-Zäpfchen aus US-amerikanischem Bestand gestern Vormittag kurzen Prozess. Nach nur rund 20 Minuten im fast drei Meter tiefen, ausgebaggerten Erdloch zwischen Weseler Straße und Groendahlscher Weg war dem Biest die Sprengkraft entzogen.

„Das war aber auch nicht so schwer“, wie der 45-jährige Truppenführer des Kampfmittelräumdienstes der Düsseldorfer Bezirksregierung zugab, der sich schon seit 1993 mit der explosiven Materie befasst. Und präsentierte dazu die Aufschlagzünder, die händisch hinten am Heck mit einer Paketklemme und vorn mit einer Zange aus der gefährlichen Position gezogen wurden.

Probleme bei Säurezündern

Bei einem Säurezünder am Heck der Sprengkapsel hätte es mehr Probleme gegeben. „Schlummerndes“ Aceton könnte entfacht werden und sich ätzend zur Zündung vorarbeiten. Oft müssen Bomben, die diesen Zünder aufweisen, zur Sprengung gebracht werden.

„Im vergangenen Jahr hatten wir Sprengungen in Oberhausen und Duisburg. Der Krater ist anschließend zwar nur zehn bis zwölf Meter. Dafür rummst es aber richtig. Manchmal fliegen Splitter zwei, drei Kilometer weit“, so Uwe Palmroth. Dazu könnten aufgrund der Luftdruckwelle auch Fensterscheiben im nahen Radius splittern.

Der gestern entschärfte Blindgänger reiste im Anschluss an die Bergung nach Hünxe. Dort wurde die Bombe vom Sprengstoff getrennt. Das Alteisen ist wertvoll und wird wieder verwendet.

Palmroth ist für Altmunition aller Art zuständig. Dazu zählen beispielsweise auch Kanonenkugeln aus dem Mittelalter. „Auch die sind gefährlich, wenn Schwarzpulver darin ist. Das kann sich entzünden. Es reicht da schon, wenn ein Pullover statisch aufgeladen ist und der Funke überspringt.“ Die Verkehrsblockade auf der Weseler Straße zwischen der B 8-Unterführung und dem Kreisverkehr bei Obi war gestern gegen 10.15 Uhr nach einer Dreiviertelstunde von der Polizei wieder aufgehoben worden. Aufgrund der dünnen Besiedelungsdichte nahe der Bombenfundstelle hielt sich der Evakuierungsaufwand in Grenzen. Es waren rund 30 Polizisten, 28 Feuerwehrleute, zwölf Malteser-Sanitäter inklusive Notarzt sowie zehn Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor Ort. „Das Zusammenspiel aller hat hervorragend geklappt“, lobte Palmroth.

Übrigens: Es gibt aufgrund von Luftbildauswertungen noch mindestens einen weiteren Bomben-Verdachtspunkt im Stadtgebiet. In der nächsten Woche sollen bereits die Probebohrungen der Magdeburger Firma KMB, eine Abkürzung für Kampfmittelbergung, beginnen. Wo, das ist natürlich (noch) geheim. KMB hatte auch die gestern entschärfte US-Bombe mittels Probebohrungen aufgespürt

Übrigens: In den vergangenen 13 Jahren wurden in Emmerich zwei Bomben entschärft. Zuletzt war’s Mitte Januar 2009 richtig gefährlich, als ein 36-Zentner-Brocken im Hafen gefunden und auf dem Rhein unschädlich gemacht worden war. Sieben Jahre zuvor war eine Fliegergranate am Helenenbusch entdeckt worden. In beiden Fällen sorgte Sprengmeister Peter van Eck für die Entwarnung.