Erst Schleipen, dann Probat

Foto: NRZ

Emmerich..  Von der alten „Probat-Villa“ an der Reeser Straße ist mitsamt Nebengebäuden nach dem Abriss so gut wie nichts mehr zu sehen; dort entsteht ein Parkplatz. Über den einst repräsentativen Backsteinbau gibt das sonst gut sortierte Archiv des Herstellers von Kaffeeröstanlagen nichts her (wir berichteten). Dafür brachte der Anruf eines stadtkundigen Emmerichers mehr Licht in die Historie dieses Gebäudes, das zuletzt nicht mehr genutzt wurde. „Da waren früher die Büros und die Wohnung der Firma Schleipen und Eichhorn drin“, teilte Christian Beckschaefer der NRZ mit, „das war damals die größte Papierfabrik in Emmerich“. Und damit war die Spur in Richtung Schleipen gelegt.

Firma wurde 1961 aufgelöst

Nachfahre Willi Schleipen weiß zu berichten, dass die große Familie Schleipen einst in dieser Villa residiert hat, die den schweren Luftangriff vom 7. Oktober 1944 ziemlich unbeschadet überstanden hat. Die Firma wurde 1961 aufgelöst. Probat übernahm Grundstück und Gebäude und verlegte einen Teil der Fabrikation dorthin und zog dann komplett von der Mennonitenstraße zur B 8 um. Die Eigentümer-Familie von Gimborn war mit der Familie Schleipen verwandt.

Ein Foto aus dem Stadtarchiv zeigt anschaulich, wie groß das Firmengelände von Schleipen + Eichhorn einmal war. Aus den Archiv-Unterlagen geht hervor, dass die Firma 1904 von Leo, Willi und Erich Schleipen zusammen mit Julius Eichhorn gegründet worden ist. Weitere Meilensteine:
1906: Anschaffung einer zweiten Pergamentiermaschine
1910: Erweiterung des Betriebes
1936: Komplette Übernahme der Papierfabrik in Hardenberg
1949: Wiederaufnahme der Produktion
1953: Beginn der Papierfabrikation als neuer Betriebszweig
1954: 50-jähriges Firmenjubiläum.

Walter Schleipen hatte die Druckerei und Papierfabrik 1934 von seinem tragisch verstorbenen Vater Willi übernommen. 1936 heiratete er Annelis von Gimborn. Er baute die Firma nach dem Krieg wieder auf. Nach der Liquidation eröffnete er unter eigenem Namen am Kleinen Wall einen Druckerei- und Papierverarbeitungsbetrieb, den er schließlich an der Rheinpromenade 44 weiterbetrieb. Als „Mädchen für alles“ erhob der heimatbewusste Emmericher das Drucken wieder zur „schwarzen Kunst“. Noch bevor es in Mode kam, stellte er handgeschöpftes Büttenpapier her und druckte authentische Reproduktionen alter Meister. Am 9. Juni 1979 ist er früh gestorben und mit ihm ging ein Stück Emmericher Firmengeschichte verloren.