Endlich wieder Butter schmuggeln

Emmerich/’s-Heerenberg..  Bärbel Kleipaß und Judith Selter gaben im Rheinmuseum die letzten Schmuggelinstruktionen – und Brigitte und Gerd Hensel aus Rees machten sich auf große Schmuggel-Tour. Im Gepäck jeweils ein Pfund „gute“ Butter. Aber nicht nur das: einen Schmuggelpass und eine Fahrradkarte. Sechs Stationen, darunter auch die im Rheinmuseum und in der Stadtbücherei, mussten bis 18 Uhr grenzüberschreitend angesteuert werden.

Doch wenn vor zig Jahren die „heiße“ Butter-Ware unter weiten Damenröcken oder in einem Geheimfach unter der Fahrradtasche verschwand, so landete sie nun sichtbar bei den meisten in Jacken- oder Handtasche. Auch der umsichtige Blick, ob es jemand gesehen haben könnte, fehlte. „Ich kann mich noch ein bisschen an diese Zeit erinnern“, erklärte Brigitte Hensel. Und Ehemann Gerd ergänzte: „Ich bin mal gespannt, was uns gleich erwartet.“

Auf Familientour begaben sich Andrea Kind und Sohn Lukas (18) aus Emmerich: „Für uns ist es wichtig einmal zu erfahren, wo denn früher überhaupt geschmuggelt wurde.“ Na, da waren die beiden direkt richtig an der Lindhorstbrücke, die über das kleine Flüsschen „Wild“ nahe Elten führt. Ein ehemals bekannter Umschlagplatz für Butter und Co.

Doch das Schmuggelleben machte den niederländischen Zöllnern Antoinet Braam, Robert Bisselink, Anton Frauenfelder und Ted Zwetsloot (alle aus ‘s-Heerenberg) die Arbeit schwer. Lediglich eine Rennradgruppe, die die Brücke passierte, konnten die Grenzposten nicht aufhalten. Aber ansonsten gingen jede Menge Butter-Schmuggler ins Netz. Nicht selten hörte man den noch vielen bekannten Satz: „Haben Sie was anzugeben?“ Was so viel heißt: „Wie haben Sie etwas zu verzollen?“ Wie zur guten alten Zeit half man den „kleinen“ Schmugglern auf die Sprünge: „Kaffee, Butter, Zucker, Zigaretten?“ Wer alle sechs Stationen ansteuerte, bekam jeweils einen Stempel. Im Emmericher Rheinmuseum konnten die Schmuggelpässe bis zum Abend wieder abgegeben werden. Neben dem Pfund Butter gab’s bei einer Verlosung etwa Gutscheine vom Stadttheater oder der Bücherei zu gewinnen.

Letztere hatte sich etwas Besonderes für den gestrigen Tag einfallen lassen. Die Autoren Jac Toes (Arnheim) und Thomas Hoeps (Krefeld) erzählten etwas zum in 2014 mit sieben weiteren Schriftstellern erschienene Buch „Over de Grens“. Zudem gab es im Rheinmuseum eine Lesung der beiden.