Emmericher Mediziner bringen Röntgengerät in den Busch

Dr. Angelika Mosch steht dem örtlichen Fernsehsender in Benin Rede und Antwort.
Dr. Angelika Mosch steht dem örtlichen Fernsehsender in Benin Rede und Antwort.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Dr. Angelika Mosch-Messerich, Radiologie-Chefärztin am Willibrord-Spital, und ihre Emmericher Kollegin, die Röntgenfachfrau Walburga Koep brachten ein Röntgengerät ins westafrikanische Benin.

Emmerich/Gohomey..  Das war ein ganz großer Moment. Auch, wenn Dr. Angelika Mosch-Messerich, Chefärztin für Radiologie und Nuklearmedizin am Willibrord-Spital in Emmerich, auf mehrere Jahrzehnte Berufsjahre blicken kann: Dieser Moment mitten im westafrikanischen Busch, bei dampfigen 38 Grad Celsius im Schatten, den wird auch die engagierte und erfahrene Medizinerin in der Rubrik „unvergessliche Ereignisse“ abspeichern. Und da standen sie dann alle an diesem hochmodernen Gerät, hatten Tränen in den Augen: Dr. Angelika Mosch-Messerich, ihre Emmericher Kollegin, die Röntgenfachfrau Walburga Koep, der Gelderner Anästhesist Dr. Wolfgang Paul, der Xantener Chirurg Dr. Johannes Kohler und die Kevelaerer Medizinerin Dr. Elke Kleuren-Schryvers.

Es war vollbracht: Das erste digitale Röntgenbild leuchtete auf dem Monitor, gestochen scharf. Ein medizinischer Quantensprung für das kleine westafrikanische Land Benin, eine Sensation in der Krankenstation der „Aktion pro Humanität“ mitten im Busch. Eben dort, wo die Menschen noch wie vor 200 Jahren in Lehmhütten leben und ihre Mahlzeiten am offenen Feuer zubereiten.

Alle Hände voll zu tun

Und nun das: Dank einer großen und vieler kleiner Spenden konnte ein ehrenamtliches Mediziner-Team vom Niederrhein einen Operationscontainer und ein supermodernes digitales Röntgengerät in Betrieb nehmen. Und Chefärztin Dr. Angelika Mosch-Messerich sowie die Medizinisch-Technische Radiologieassistentin Walburga Koep hatten in den folgenden Tagen alle Hände voll zu tun.

Die beiden Emmericher Expertinnen gehörten zum 14-köpfigen Team der „Aktion pro Humanität“ (APH), das vor wenigen Tagen vom ehrenamtlichen Einsatz in Benin zurückgekehrt ist. Die Medizinerinnen hatten im fernen Afrika wahrlich alle Hände voll zu tun. Denn als sich herumgesprochen hatte, dass man nun auch geröntgt werden kann in dem kleinen, mit Spenden finanzierten Buschkrankenhaus, da standen die Patienten plötzlich Schlange. Geduldig, dankbar, voller Hoffnung.

„Zwanzig Jahre haben die Menschen hier in Gohomey auf diesen medizinischen Fortschritt gewartet“, so APH-Gründerin Dr. Elke Kleuren-Schryvvers aus Kevelaer. Das nächste Krankenhaus ist 30 Kilometer entfernt – und das Röntgengerät dort seit elf Jahren nicht mehr funktionstüchtig.

Weitere Spender gesucht

Und so hatten Walburga Koep und Angelika Mosch-Messerich einen vollgepackten Tag. Patienten röntgen, vorher beruhigen, dann befunden, Therapie mit dem Chirurgen besprechen, mögliche weitere Behandlungen überlegen. Dann, vor allem, Aimé anlernen, den jungen Radiologie-Assistenten, der jetzt allein mit der modernen Apparatur zurecht kommen muss – und das engagiert hinbekommt.

„Ich habe keinen Moment gezögert, Frau Dr. Mosch nach Afrika zu begleiten“, sagt Walburga Koep. „Und ich werde es jederzeit wieder tun. Die Arbeit in Gohomey war unglaublich bereichernd.“ Die Chefin nickt: „Ich habe keine Minute bereut. Ein tolles Team, die Installation des Gerätes hat geklappt und wir haben einen jungen beninischen Assistenten gefunden, der mit der modernen Technik umzugehen weiß. Jetzt muss uns noch irgendwie gelingen, eine Teleradiologie zu installieren.“

Will heißen: Röntgenbilder werden im Idealfall digital oder per Mail nach Emmerich geschickt, wo Dr. Mosch vor allem auf komplizierte Befunde ein Auge wirft. Zukunftsmusik ist das noch, wie auch der Traum von einem CT. „Aber wir hoffen sehr, dass wir Spender finden“, so Mosch-Messerich. Für die Menschen in Benin wäre das sehr sehr wünschenswert.

Übrigens:

Seit 20 Jahren engagiert sich die Hilfsorganisation „Aktion pro Humanität“ um die Kevelaerer Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers in Benin. Dank nachhaltiger Spenden vom Niederrhein wurde unter anderem eine Krankenstation aufgebaut, eine Schule gebaut, Waisenhäuser werden unterstützt, es gibt Mikro-Kredit-Projekte und vieles mehr.


Seit März steht auch ein Operationscontainer in der kleinen Krankenstation. Einmal in der Woche operiert ein beninischer Chirurg dort. Geplant ist, dass regelmäßig Teams vom Niederrhein für einen Kurzeinsatz nach Benin reisen, dort operieren und afrikanische Kollegen fortbilden.


Wer mehr Informationen sucht, der ist im Internet unter dieser Adresse richtig: www.pro-humanitaet.de.