Emmericher Fall: Verletzungen bleiben ungeklärt

Amtsgericht Emmerich Seufzerallee in Emmerich Donnerstag 22.11.2012 Foto Dirk Schuster WAZ FotoPool
Amtsgericht Emmerich Seufzerallee in Emmerich Donnerstag 22.11.2012 Foto Dirk Schuster WAZ FotoPool
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Was wir bereits wissen
Verfahren gegen 35-jährigen Emmericher wird vor dem Amtsgericht eingestellt. Ob er seine Partnerin verprügelt hat, war nicht nachzuweisen.

Emmerich..  Hat ein 35-jähriger Emmericher seine 30-jährige Partnerin am 1. Juli 2014 verprügelt? Das konnte vor dem Emmericher Amtsgericht nicht geklärt werden. Das Verfahren gegen den zweifachen Vater wurde ohne Auflagen eingestellt. Es wäre sicher nicht leicht gewesen für Richterin Dr. Christiane Schmitz, ein Urteil zu fällen. Denn kein Zweifel dürfte daran bestehen, dass das heute in Lübeck lebende Opfer erheblich verletzt wurde. Ein Attest, das am Tag des vermeintlichen Angriffs im Emmericher Krankenhaus erstellt wurde, belegt, dass die Hausfrau ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Nierenprellung und eine Verletzung an den Halswirbeln erlitten hatte. Allerdings schien es keinen sicheren Beweis dafür zu geben, dass ihr Ehemann (nach jezidischem Recht, gesetzlich nicht anerkannt) der Täter war.

Im Raum stand, dass der 35-Jährige das Opfer in der gemeinsamen Wohnung mit einem Kopfstoß, einen Schlag in den Nacken und Tritten gegen den Körper malträtiert haben soll. Der Angeklagte bestritt dies. Es habe auch keinen Streit gegeben, sondern eine „normale Diskussion“. An jenem Abend sei die 30-Jährige zum Sport gegangen und nicht zurückgekehrt (siehe unten). Die Auseinandersetzung sei erfunden: „Sie hat immer diese Spielchen mit mir gespielt. Ich weiß nicht, warum sie mir das antut.“

Krankheiten simuliert?

Auch was die Verletzungen anging, hatte der 35-Jährige Zweifel. Das Opfer habe ständig vorgegeben, an irgendwelchen Krankheiten zu leiden: Tumor, Krebs, Gehirnanfälle, Pfeifen im Ohr. In einem Fall habe ein Arzt ihm gesagt, dass seine Partnerin nichts habe. Trotzdem habe er seine Frau immer begleitet und deswegen auch seine Arbeit bei einer Glaserei verloren.

Das Opfer erklärte: „Ich will gar nicht, dass er verurteilt wird. Ich will nur, dass er versteht, dass er sich ändern muss. Er muss eine Therapie machen, um seine Aggressionen in den Griff zu kriegen.“ Denn sie gab an, dass ihr ehemaliger Partner sie häufiger geschlagen habe. An jenem Abend sei er aggressiv geworden. Zunächst im Ton, was sie nicht in Ordnung fand. Dann sei es körperlich geworden. „Ich habe dann gesagt: ,Ich gehe zum Zumba’.“ Stattdessen fuhr sie zu einer Kollegin nach Rees, die die Verletzungen sah und sie ins Spital schickte. Später am Abend habe sie bei der Polizei Anzeige erstattet. Um 3 Uhr nachts habe der 35-Jährige ihr Fotos von den Kindern samt Drohungen geschickt. Sie sollte sofort nach Hause kommen. Am 2. Juli holte sie die Kinder ab.

Bei all den Problemen mit ihrem Partner habe die Familie des 35-Jährigen diesen stets unterstützt. „Du bist kein echter Mann, wenn Du deine Frau nicht schlägst“, soll jemand gesagt haben, so das Opfer. Auch die Taktik, sie als psychisch krank darzustellen, sei ihr nicht neu. „Ich bin nicht psychisch krank. Ich hatte Verspannungen im Nacken und deshalb Schmerzen und Schwindelgefühle. Das hatte mit dem Stress zu tun“, sagte die 30-Jährige.

Bedrohungen gestanden

Eines hat der 35-Jährige aber doch zugegeben. Am 2. Juli sagte er gegenüber seiner Schwägerin, er würde jemanden schicken, der seine Partnerin umbringen würde. „Ich war sauer und habe diese Dinge gesagt. Das tut mir leid. Ich habe es nicht ernst gemeint.“

Der Antrag des Staatsanwalts, das Verfahren einzustellen, kam dann doch recht überraschend für Richterin Dr. Schmitz. Gerne hätte man noch das Plädoyer des Staatsanwaltes und zumindest die Einschätzung der Richterin gehört...

Fast wertlos war die Befragung der Mutter (64) des Angeklagten sowie einer Nachbarin (84), für die ein Übersetzer dazu kam. Offenbar hatte der Übersetzer doch Probleme, den türkischen Dialekt der Frauen zu verstehen. Auf Fragen der Richterin hörte man die Frauen in ihrer Sprache lange Erklärungen abgeben, doch übersetzt wurde am Ende oft nur ein spärlicher Satz. Der Angeklagte und auch Besucher hinten im Saal warfen dem Übersetzer sogar vor, falsch übersetzt zu haben: „Sie hat 20 vor sieben gesagt und nicht 20 nach sieben“, meinte etwa der Angeklagte.

So oder so waren die Aussagen wenig aufschlussreich. Es ging darum, ob die Mutter gesehen habe wie die 30-Jährige zum Sport fuhr. Es gab keine überzeugenden Aussagen. Auch vom Streit wussten sie nichts.