Emmericher Brandstifter fühlte sich von Bandidos verfolgt

Ein Brandstifter aus Emmerich muss sich vor gericht verantworten.
Ein Brandstifter aus Emmerich muss sich vor gericht verantworten.
Foto: Ingo Otto
Was wir bereits wissen
Auf der van-Gülpen-Straße in Emmerich setzte ein 37-Jähriger seine Wohnung in Brand. Dafür steht er vor Gericht. Er soll eine Psychose haben.

Emmerich/Kleve.. Die 45-jährige Zeugin kann das, was da in den frühen Morgenstunden des 7. Januar passiert ist, immer noch nicht fassen. Ein Polizeibeamter trat ihre Tür ein. „Es brennt“, sagte er und schaffte sie mitsamt Hund und Mann hinaus in Sicherheit. Der Dachstuhl ihres Wohnhauses stand in Flammen. In der eisigen Winterkälte mussten sie mit ansehen, wie er lichterloh brannte.

Der Mann, der dafür verantwortlich ist, muss sich nun wegen schwerer Brandstiftung vor dem Klever Landgericht verantworten. Der 37-jährige Emmericher räumte die Tat zwar ein, wollte zum Hergang aber keine Auskunft geben und berief sich außerdem auf den Zustand der Schuldunfähigkeit.

Brandstifter soll Verfolgungswahn gehabt haben

„Wir kannten uns gut“, sagte die Hauswirtschafterin. Fast täglich habe man gemeinsam Kaffee getrunken. Doch dann, irgendwann vor etwa einem halben Jahr, „fing er an, komisch zu werden“. Wie sich das denn gezeigt habe, wollte Richter Jürgen Ruby wissen. „Er hatte Paranoia. Er glaubte, sein Laptop würde überwacht, und durch sein Handy würden seine Verfolger wissen, wo er ist.“ Wer ihn verfolgte? „Er hatte sich in den Kopf gesetzt, dass Bandidos hinter ihm her wären“, sagte die Emmericherin weiter aus.

Landgericht In der Tat. Gleiches hatte der Angeklagte auch dem psychologischen Gutachter Dr. Jack Kreutz erzählt. Aufgrund jahrelangen Cannabis- und Amphetamin-Konsums hatte der eine Psychose bei dem Emmericher diagnostiziert. Deshalb hörte der 37-Jährige auch Stimmen. „Als ich ihn das erste Mal kurz nach der Tat traf, schien er noch in seiner Gedankenwelt gefangen“, so Kreutz. Am Donnerstag wirkte der kleine Mann mit kurz geschorenen, dunklen Haaren gefasst.

Rund 100 000 Euro Sachschaden

Auch in der Tatnacht hatte der Emmericher wieder Stimmen gehört. Er vermutete einen Bandido auf dem Dach. „Um sich den nötigen Vorsprung für die Flucht aus seiner Wohnung zu verschaffen, hatte er sich überlegt, den Brand zu legen“, so Kreutz. Zwei mit einem brennbaren Lösungsmittel versehene Brandsätze zündete er in seiner Dachgeschosswohnung. Einen davon platzierte er direkt vor der Tür und floh selbst durch das Dachfenster. Vom Haus mit der Nummer 33 bahnte er sich seinen Weg in luftiger Höhe bis Hausnummer 25. Ein Bewohner dort alarmierte dann Feuerwehr und Polizei. Wie er Donnerstag aussagte, habe der Angeklagte damals gemeint: „Jemand ist hinter mir her und will mich umbringen.“

Schüsse Auf 100 000 Euro schätzt der Vermieter den Schaden. Mit diesem hatte der mutmaßliche Brandstifter auch immer mal wieder Ärger wegen Reparaturen in der Wohnung gehabt. Ob der Angeklagte, der noch in Untersuchungshaft sitzt, den Brand im Zustand der Schuldunfähigkeit gelegt hat oder doch als Racheakt, ist zumindest durch eine Aussage der Nachbarin fraglich: „Schon vorher hat er damit gedroht, das Haus abzufackeln.“ Auch am Abend zuvor schrieb er ihr eine Nachricht aufs Handy. Deren Inhalt: „Wünsche Dir noch einen warmen Tag.“

Das Vorstrafenregister des Emmerichers ist lang. Drogendelikte, Körperverletzung und Einbrüche sind darin vermerkt. Immer wieder saß er, auch schon als Jugendlicher, im Gefängnis. Seit 2008 wurde es dann ruhiger um ihn. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.