Emmericher Arzt wollte sich eines Notfalls nicht annehmen

Tom Slyuter regte sich über die Kassenärztliche Vereinigung auf.
Tom Slyuter regte sich über die Kassenärztliche Vereinigung auf.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Tom Sluyter aus Emmerich ärgert sich über den notärztlichen Dienst, der nicht kam. Und über die Beschwerdestelle der Kassenärztlichen Vereinigung, die dies seiner Meinung nach auch noch deckt.

Emmerich/Goch.. Nicht nur der am Wochenende stets verantwortliche Notärztliche Dienst, nein, auch die Beschwerdestelle der Kassenärztlichen Vereinigung kann zum Ärgernis werden. Und zwar so, dass man sich am Ende sogar schriftlich als Lügner dargestellt sieht. So geschehen bei Tom Sluyter, dem Leiter der Emmericher Betriebsrentenstelle. Der bekam nun eine Antwort auf seine verfasste Beschwerde über einen bekannten Notfallarzt (die NRZ berichtete).

Jener Emmericher Allgemeinmediziner hatte am Freitag, 30. Januar, gegen 14 Uhr offenbar nicht auf Sluyters Telefonanruf in der Art reagiert, einer schwer erkrankten Frau umgehend zu helfen. Vorausgegangen war dies: Sluyter hatte mit seinem Kollegen eine Betriebsrenten-Kundin beim verabredeten Gesprächstermin in körperlich miserblem Zustand in deren Wohnung vorgefunden. Die Frau hatte starke Schmerzen, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Und war, davon zeugten ein leerer Kühlschrank und ein voller Briefkasten, auch einige Tage lang nicht mehr vor der Tür gewesen. „Simples Treppensteigen war schlicht nicht mehr machbar für sie“, betont Sluyter. Der wollte über den Notärztlichen Dienst, der am Wochenende außerhalb der Praxiszeiten auch für Fälle dieser Art parat stehen soll, für schnelle Hilfe sorgen. Bekam auch über die Zentrale die mobile Telefonnummer des für Emmerich zuständigen Arztes.

Ärger über Ignoranzhaltung

Der „Doc“, der an jenem Freitag den Dienst versah, wollte sich aber offenbar nicht des (Not-)Falles mit einem Besuch vor Ort annehmen. Sluyter ärgerte sich schwer über die Ignoranzhaltung. Beschwerte sich schriftlich bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (Tichelweg 5 in 47574 Goch). Und bekam nun die Antwortpost.

„In dem Schriftstück steht, die Inanspruchnahme des Notdienstes sei in meinem Falle am 30. Januar nicht dokumentiert. Das heißt für mich übersetzt: Es wird behauptet, ich habe mit dem zuständigen Notarzt gar nicht gesprochen“, erklärt Sluyter gegenüber der NRZ. Dabei habe er die Mobilnummer des Arztes über die zentrale Notrufnummer bekommen, diesen angerufen und eine gute Viertelstunde „unliebsam“ mit ihm über den Krankeitsfall der Kundin diskutiert.

Sluyter ging an diesem Nachmittag noch für seine Kundin einkaufen, stellte im Eilverfahren beim Amtsgericht einen Antrag auf Betreuung.

Ein Arzt tauchte wohl nicht mehr auf. Die Gocher Beschwerdestelle stellt in ihrem Schreiben an Sluyter fest, dass die Inanspruchnahme des Notdienstes weder am 30., noch am 31. Januar oder am 1. Februar dokumentiert sei. „Was für mich heißt, der zuständige Arzt hat sich an diesen Tagen nicht um die schwer Erkrankte gekümmert“, so Sluyter.

Die Frau sei gleichwohl am 2. Februar, also erst drei Tage nach Sluyters Telefonat mit dem Arzt, in ein Krankenhaus gebracht worden. „Nachdem von Ihrem Telefon aus der Krankenwagen gerufen wurde“, heißt es in dem Schreiben. „Ich habe den Krankenwagen nicht herbeitelefoniert“, wehrt Sluyter ab. „Ich habe bei der Telekom meine Einzelgesprächsnachweise bestellt und sende diese nach Goch. Um zu zeigen, dass ich mit dem Arzt telefoniert habe und er auch alles wusste“, so Sluyter.“ An der Beschwerdestelle lässt Sluyter ebenso kein gutes Haar: „Das vorliegende Schreiben ist nicht nur eine Frechheit, sondern auch auf Armutszeugnis. Die Beschwerdestelle ist eine Abwehrstelle für Ärzte, die sich für eine offensichtliche Fehleinschätzung nicht entschuldigen wollen.“