Emmerich und der Matjes sind der Zeit diesmal voraus

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Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Eigentlich ist der Matjes-Saisonstart erst für den 18. Juni vorgesehen. Der Klima-Wandel sei schuld. Dennoch bestritt Emmerich am Samstag einen zünftigen Vlaggetjesdag.

Emmerich..  Freddy Heinzel weiß es nicht mehr genau, wann er den ersten „nieuwe Haring“ verputzt hat. „Es muss in ganz jungen Jahren gewesen sein“, so der Honorarkonsul der Niederlande, „sozusagen mit der Muttermilch.“ Gespannt wartete er Samstag am Pegelhäuschen an der Promenade gemeinsam mit Bürgermeister Johannes Diks und Gästen aus Emmerich und dem Nachbarland auf den „nieuwe haring“. Das leckere Fischchen, besser als „Matjes“ bekannt, feierte sozusagen seinen Geburtstag. Wohl aber fünf Tage zu früh.

„Wir sind hier in Emmerich der Zeit voraus“, so Franz Feyen augenzwinkernd, der federführend mit Wirtschaftsführung und Rheinmuseum-Team den Tag organisiert hatte. „Der ‚nieuwe haring‘ ist noch nicht fett genug“, so Freddy Heinzel. Daher verschiebe sich der Saisonstart auf den 18. Juni – und läge acht Tage hinter dem üblichen: „Es ist das zweite Mal in der Geschichte, dass die Vereniging Productschap Vis den Termin verlegt.“

Der Klimawandel hätte die Heringe weiter nach Norden ziehen lassen, ließ die niederländische Fischereivereinigung mitteilen. Das tat der guten Stimmung am Samstag keinen Abbruch. Denn der alte Matjes ist eigentlich gar nicht alt, nur halt vor dem Stichtag am 18. Juni gefangen worden.

Mit lautem Schiffssirenen-Heulen kündigte sich der leckere Fisch vom Rhein aus an Bord des Emmericher Feuerwehrbootes an. Judith Selter öffnete das Steigertor – und, schwups, stand ein Museumsleiter im Fischer-Outfit mit einem Holzfässchen randgefüllt mit frischer Meeresware vor Bürgermeister und Honorarkonsul.

Herbert Kleipaß, Fischabgeordneter des Rheinmuseums, so Judith Selter, hatte sich zum Saisonstart extra eine neue Kluft zugelegt. Die Wiksbössels aus ‘s-Heerenberg begrüßten den silbergrauen Fisch musikalisch. Los ging’s mit Schlangestehen für die Besucher. Denn an der nostalgischen Heringskarre vom Fischhandel Wennekers aus ‘s-Heerenberg war die Leckerei mit Zwiebeln sehr gefragt. Für Gerda, Cecil und Marjolein kein Problem. Mit einem Lächeln im Gesicht gingen die Portionen in blauen Schälchen in Fischform über die Theke.

,Patat gehakt’ anstelle Poffertjes

Die einen nahmen den Matjes zum Verzehr mit nach Hause, die anderen ließen sich ihn mit ‘nem frisch gezapften Bierchen beim Restaurant „Franz“ schmecken. Wer dann noch nicht genug hatte, der gönnte sich anstelle der sonst beim Vlaggetjesdag üblichen Poffertjes „patat gehakt“ von Horst Welling. Bei uns wohl besser als Reibekuchen bekannt, scherzten Besucher.

Während dieser Tag in den Niederlanden schon Tradition hat, so ist sich Bürgermeister Diks sicher, könnte sich das Ereignis in Emmerich etablieren wird. Schließlich brauche man zum Flanieren nicht nach „Holland aan See“: „Das wird einem inklusive jeder Menge Schiffe an der Promenade geboten.“