Eltener diskutieren über eine Stromdose am Markt

Der Ortsausschuss Elten ist immer für eine gute Abendunterhaltung zu haben.
Der Ortsausschuss Elten ist immer für eine gute Abendunterhaltung zu haben.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Ortsausschuss Elten bleibt sich als diskussionsfreudiges Gremium treu. Da bleibt dann schon mal kräftig Zeit, über Sinn und Unsinn einer Stromdose am Marktplatz zu reden.

Elten..  Am Ende einer bemerkenswerten vierten Sitzung des Ortsausschusses Elten wurde es richtig wirr. Im Foyer der Luitgardis-Grundschule fragte einer der zwölf Zuhörer, BGE-Fraktionschef Gerd Bartels, tatsächlich dies: „Sind Sie sicher, Herr Diks, dass Sie wirklich mit dem Vermieter des alten Rathauses gesprochen haben?“ Wer grad nicht mitkommt: Es geht um die Frage, ob die Arbeiterwohlfahrt über das Jahresende hinaus in den bisherigen Räumlichkeiten im alten Rathaus bleibt oder nicht. Die Stadt als Mieter hatte ja gekündigt.

Diks und der kurze Dienstweg

Der oberste Emmericher Bürger, gleich rechts von Ausschusschefin Sultan Seyrek (SPD) sitzend, konterte auf die spürbar provokante Frage souverän: „Ich habe ja manchmal Tages-Alzheimer, aber in dem Punkt bin ich mir sicher.“ Danach zog Seyrek den Vorhang. Bartels’ Frage klärte Diks per Mobiltelefon. Reichte sein Gerät an Bartels weiter. Der wiederum wurde von Vermieter Dr. Paul Behler informiert. Kurzer Dienstweg.

Zuvor hatten einige Mitglieder den Ausschuss durchaus als Bühne für sich selbst und ihre Partei genutzt. Dazu wurde um Dinge gestritten, die gar nicht auf der Tagesordnung standen. Etwa, dass man aus Kostengründen die Sitzung ins Emmericher Rathaus verlegen sollte. „Im Foyer hier ist ja nicht einmal W-LAN-Empfang“, empörte sich Herbert Ulrich (CDU). Embrica-Mitglied Christoph Kukulies em­pfahl: „Investieren Sie ihre Aufwandsentschädigung in eine Telefonkarte!“ Zur Info: Eine Sitzung kostet die Stadt rund 1500 Euro.

Die SPD sprach von einem schlechten Signal nach außen, würde man ins Rathaus wechseln. Was nicht ohne Antwort blieb. „Hätte man die Eltener gefragt, säßen wir jetzt nicht hier“, erklärte Siegfried Assmann für die CDU. Polemische Reaktion von Thomas Meschkapowitz (Embrica): „Stellen Sie doch die Grundsatzfrage! Ich würde beantragen, dass wir den Rat halbieren. Wären dann noch weniger Kosten. Für mich kommt Politik vor Kosten. Und der Dienst am Bürger kostet eben.“

Ludger Gerritschen (SPD) regte einen „Masterplan Niederelten“ an – mit Bürgerbeteiligung und Zukunftswerkstatt: „Wir haben enorm viele Baustellen hier: Bahnhof, Parkplätze, Vereinsleben.“

Apropos: Letzteres sieht Gerritschen aufgrund der Pachtvertragssituation im Kolpinghaus gefährdet. Stephan und Alexandra Kroes haben zum Jahresende gekündigt. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Bislang. Dass die Embrica-Fraktion als beratende Ausschuss-Stimme den Antrag stellte, auf dem Areal der Luitgardisschule ein Bürgerzentrum (auch für Vereine) entwickeln zu lassen, ärgerte CDU-Ratsmitglied Werner Spiegelhoff. „Machen Sie hier kein Fass auf, das Kolpinghaus ist unser Vereinsmittelpunkt!“, entgegnete er Antragsteller Christoph Kukulies.

Der hatte schon seine gut gemeinten Ladestationen für Elektrofahrräder, mit einem Vogelholzhäuschen auf dem Stationsdach, die letztlich zur simplen Stromdose am Eltener Markt herabdiskutiert wurden, nicht durchbringen können. „Kein Bedarf“, so argumentierte selbst Emmerichs Tourismuschefin Dr. Manon Loock-Braun für die CDU, „an der Rheinpromenade wird die dortige Dose fast mehr fürs Laden des eigenen Telefons benutzt.“