Eine Reise ins innere Reich

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Reeserward..  Die Bühne im Antiquariat Schell in Reeserward wird von Künstlern und Publikum wegen ihrer einzigartigen Atmosphäre geschätzt, ja geliebt. Aber auch wegen der Chance, die Gottfried Schell Zuhörern und Künstlern bietet, Neues zu erfahren und zu erleben. So ein Experiment spielte sich auch am Samstagabend ab, als Sylvie Kirchherr mit drei Musikern ihrer Band Wildfang die Bühne betrat.

„Die Vorlaufzeit war knapp“, erzählt Schell. Bei nur zehn Tagen blieb keine Zeit, Flyer zu drucken und die ganz große Werbetrommel zu rühren. Auch Anmeldungen waren knapp. Gekommen sind sie trotzdem, die neugierigen Musikliebhaber – und zwar so viele, wie schon lange nicht mehr, so Schell. Was sie dann vorgefunden haben, war einerseits ungewöhnlich, wegen der Art des Gesangs der Frontfrau Kirchherr, aber eben auch genau deshalb einzigartig und erfrischend anders. Auch das Zusammenspiel mit den anderen Musikern auf der Bühne machte deutlich, wie sehr diese jungen Leute auf der Bühne Musik lieben. Das Musizieren ebenso wie das Miteinander.

„Wir nehmen euch mit auf eine Reise“, lautete die Begrüßung Kirchherrs. „Auf eine Reise zu allen Kontinenten, zu Menschen, eine Reise zu eurem inneren Reich.“ Und während die ersten Klänge der Hang-Trommeln erklingen schwört sie das Publikum weiter ein: „Lasst euch entführen.“ Entführen in eine Welt, in der Träume gelebt werden. „Wenn wir könnten, würden wir nur durchs Leben tanzen.“ Man glaubt es diesen vier jungen Menschen, die aus verschiedenen Orten der Welt kommen. Wildfang ist eine Reiseband. Es ist schwer zu sagen, woher sie konkret kommen. Sie lernen sich auf Reisen kennen und musizieren. „Wir haben heute Gäste dabei“, erzählt Kirchherr. Samantha Archor und Rob Senior aus England unterstützen Kirchherr und ihren Mitstreiter Jaron Tripp.

Die Harmonie stimmt. Kirchherr mit der Gitarre und ihrem fulminantem Gesang, der teilweise in Spanisch, teilweise in einer ganz eigenen „Seelensprache“ sich ausdrückt, die junge Engländerin wahlweise mit Klarinette, Piccolo oder Percussions, begleitet von den Klängen der Hang-Trommeln und diversen, teils selbstgebastelten Instrumenten. „Es ist erstaunlich, wie viele Instrumente man mit der Zeit anhäuft“, stellt Tripp schmunzelnd fest. Handgemacht und außergewöhnlich. Ein Bogen mit Saiten und einem Kürbis, der an einem Bändchen befestigt wird. Eine ausgehöhlte Hälfte eines afrikanischen Kürbisses, der seinen Klang erst auf einer Holzkiste ent-faltet. Sie experimentieren mit Musik, mit Rhythmen. Es klingt toll, es ist gewagt, es ist gelungen – ebenso wie dieses spontane Konzert.