Eine heiße Schlussphase in Emmerich

Zum 1. Januar ist die Grunderwerbsteuer in NRW gestiegen. Deshalb wurden viele Kaufverträge noch schnell vorgezogen.
Zum 1. Januar ist die Grunderwerbsteuer in NRW gestiegen. Deshalb wurden viele Kaufverträge noch schnell vorgezogen.
Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb
Was wir bereits wissen
Immobilienkauf ist in NRW 2015 teurer geworden. Deshalb haben viele in Emmerich noch im alten Jahr Kaufverträge abgeschlossen. Ansturm auf Notare und Amtsgericht.

Emmerich..  Häuslebauer und Wohnungskäufer hatten es eilig. Sie schlossen Ende 2014 noch rasch ihre Kaufverträge ab, ehe zum 1. Januar 2015 die Grunderwerbsteuer von 5 auf 6,5 Prozent angehoben wurde; die letzte erfolgte 2011 von 3,5 auf 5 %. Mit nunmehr 6,5 % rangiert NRW bundesweit an der Spitze. Die rot-grüne Landesregierung erwartet, wenn der Bau-Boom anhält, Mehreinnahmen von rund 400 Millionen Euro pro Jahr. Geld, mit dem die Neuverschuldung gesenkt werden soll. Doch für jene, die in Eigentum investieren wollen, ist’s dadurch teurer geworden. Auch die Mieten dürften steigen.

Viel Kritik geerntet

Kein Wunder, dass es Kritik an der Steuererhöhung hagelte. Nicht nur vom Steuerzahlerbund oder vom Verband Wohneigentum NRW, der die Belastungsgrenze für Hauseigentümer längst als erreicht ansieht. Besorgnis erntet das Rekordniveau auch bei Notar Georg Lommen: „6,5 % sind schon viel Geld. Das ist eine ungesunde Entwicklung, wenn wir das mit den Niederlanden vergleichen.“ Das Nachbarland ist für ihn ein warnendes Beispiel: „Die Niederlande haben das vor einigen Jahren auch praktiziert.“ Mit der Folge, dass der Grundstücksmarkt zum Stillstand kam. Das freilich hatte auch andere Gründe, lag u.a. an fragwürdigen Finanzierungsmodellen.

„Wer das als Anlage- oder Renditeobjekt ansieht, dem ist das völlig egal“, weiß Lommen. Doch wer etwa bei einem 100 000 Euro teuren Objekt statt 5000 nun 6500 Euro hinblättern müsse, der käme schon ins Grübeln, gerade junge Familien, die sich ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollten. Er könne privaten Bauwilligen nur von ihrem Vorhaben abraten, wenn 1500 Euro „kriegsentscheidend“ sein sollten. Das sieht Andreas Belting (ImmoReal) ähnlich, erwartet aber nicht, dass der Grundstücksmarkt deshalb einbricht. Warum? „Wir haben historisch niedrige Zinsen, darauf hat der Gesetzgeber auch spekuliert.“ Seine Klientel habe sich grundlegend gewandelt. Man müsse wieder Familien mit normalen Einkommen die Chance zum Bauen geben, „auch ohne das Scheckheft der Eltern“.

Die Immobilien-Transaktionen kurz vor Toreschluss hielten Anwälte, Notare und Amtsgerichte auf Trab, wo am Schluss jede Grundstücksbewegung im Grundbuch dokumentiert wird. „Wir hatten einiges zu tun“, ließ die Kanzlei Gregor Meenen verlauten. Die Kaufverträge für bebaute und unbebaute Grundstücke sowie Wohnungsverkäufe bescherten auch Schieck & Kollegen ein deutlich erhöhtes Arbeitsvolumen, wie Stefan Walbohm berichtete: „Das ist im Dezember immer so.“ Aber diesmal liefen die Beurkundungen in der Schlussphase regelrecht heiß. Die Käufer wollten ihre Transaktionen unbedingt noch im alten Jahr über die Bühne bringen, damit sie um die höhere Grunderwerbsteuer herumkommen. Stefan Walbohm: „Der Vertrag ist noch im alten Jahr rechtswirksam geworden, auch wenn die Abwicklung erst im folgenden Jahr erfolgt.“

Die Grunderwerbsteuer ist die einzige Steuerart, die komplett in die Landeskasse fließt und deren Höhe die Landesregierungen selbst festlegen können.

2013 lag das Gesamtvolumen bei der Grunderwerbsteuer bei 8,4 Milliarden Euro, 2014 sollen es nach Schätzungen dann schon 9,2 Milliarden Euro sein.