Eine Busfahrt wie eine Safari
03.02.2009 | 19:05 Uhr 2009-02-03T19:05:00+0100
Eva Tepest ist von Tansania nach Ruanda mit Bus und Bahn gereist, um dort Jakob Heimer zu besuchen. Ihr Tansania erscheint ihr ganz anders als sein Ruanda.
Die Emmericher Abiturienten Philipp Liesbrock, Eva Tepest, Jakob Heimer und Sebastian Essink leisten ihren Freiwilligendienst im Rahmen des Regierungsprogramms „Weltwärts” für das Bistum Münster: ein Jahr lang in Tansania, Ruanda und El Salvador. Sie berichten darüber in loser Folge in der NRZ. Heute schreibt Eva Tepest aus Tansania:
„Während Sebastian (Essink, Anm. d. Red.) zu Beginn unserer Schulferien mit zwei Freunden zu einer Ostafrika-Tour durch Burundi, Ruanda und Uganda aufgebrochen ist, habe ich es erstmal langsam angehen lassen und Weihnachten in einem Dorf in der Nähe von Sumbawanga verbracht (dort gibt es ein Waisenprojekt). Dabei standen das Schlachten einer Ziege und eine Mitternachtsmette mit 50 Mönchen, der Dorfbevölkerung und zehn Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren an. Ein rundum anderes, spannendes Weihnachtsfest, obwohl ich Weihnachten am Niederrhein – auch wegen einer kitschigen Weihnachtskarte, die ununterbrochen ein völlig schiefes „Jingle Bells” spielte und wegen eines Plastik-Tannenbaumes – sehr vermisst habe.
Das moderne, schöne Kigali
Letzte Woche habe ich mich dann auf die Reise zu Jakob Heimer nach Kigali gemacht. Am Anfang stand, wie bei jeder guten Reise, die Busfahrt. Die führte durch den Katavi-Nationalpark und ich konnte – ohne Aufschlag – einen Löwen, eine Giraffe, eine Elefantenherde, Antilopen und Flusspferde bewundern. Nach einer 26-stündigen Zugfahrt kam ich in Burundi an. Meine Angst, mich außerhalb Tansanias nicht mehr verständigen zu können, bestätigte sich zum Glück nicht: Überall traf ich Menschen, die Kisuaheli beherrschten und so konnte ich beruhigt auf französische Fragen in der ostafrikanischen Verkehrsprache antworten.
Nach einem weiteren Tag im Bus erreichte ich wohlbehalten Kigali und atmete erst einmal auf. Ein wenig Angst hatte ich als allein reisende Frau schon gehabt, völlig unberechtigt: Überall traf ich auf hilfsbereite Menschen, die mir bei der Suche nach Unterkünften, Bussen und Grenzposten halfen.
Schon am selben Tag konnte ich die ersten Eindrücke von Kigali sammeln und bestaunte die asphaltierten, sauberen Straßen mit neuen Büroanlagen, Supermärkten und Botschaften. Kigali ist eine Stadt mit vielen Facetten: Eine davon ist die der afrikanischen Boommetropole, der vielen ansässigen Hilfsorganisationen und damit verbundenen Gelder. Kigali ist viel geordneter als alles, was ich in Tansania gesehen habe, die Menschen halten sich an Gesetze: Menschen stehen in Minibussen nicht und Postbeamte geben Pakete heraus, ohne Bestechungsgeld zu fordern.
Als wir uns dann noch ein Frühstück im deutschen Edelsupermarkt bei Croissants, Kaffee und Omelett gönnten, war ich der Hauptstadt Ruandas schon ein wenig verfallen.
Der Schrecken des Völkermordes
Doch am zweiten Tag sah ich mich mit einer völlig anderen Seite konfrontiert: Im Memorial für den Genozid 1994 ist der ganze Schrecken des Völkermordes an den Tutsi sichtbar: Er kostete einer Millionen Menschen das Leben, 99 Prozent der Bevölkerung waren Zeugen, wie ein Mensch gewaltsam ums Leben kam, Hunderttausende metzelten selbst Nachbarn, Freunde und sogar Familienangehörige nieder.
Anschließend ging ich mit anderen Augen durch Kigali. Was ich schon von anderen Besuchern gehört hatte, stimmte: Die Menschen sind verschlossener und misstrauischer als im chaotischen und offenen Tansania.
Ganz anders die Menschen an Jakobs Arbeitsplatz, einer von Schwestern geführten Behinderteneinrichtung in Kigali. Dort haben ihn die Nonnen schon zwangsadoptiert: „Jakob ist unser Sohn, unser Freund, unser Bruder”, berichten sie stolz. Die Zuneigung der Kinder und Jugendlichen ist nicht weniger groß, viele schrieen vor Freude, ihn zu sehen.
Abwechslung dank Spenden aus Emmerich
Ich hatte sogar das Glück, sie auf einem von Spenden aus Emmerich finanzierten Tagesausflug zu begleiten – eine Abwechslung zu ihrem sonst eintönigen Alltag im Heim. Jakob führte uns zum Besuch in eine andere Behinderteneinrichtung nach Butare und ins dort ansässige ruandische Nationalmuseum. Die Dankbarkeit war riesig – kein Wunder, wurde die Tour doch mit Keksen, Limonade und einem gemeinsamen Mittagessen versüßt.
Nächste Woche reisen wir zusammen nach Tansania. Ich freue mich darauf, Jakob 'mein Land' zu zeigen und zu erfahren, ob er es genauso lieben lernt wie ich.”
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