Ein Vorkämpfer der Reformation

Das Jahr 1517 steht im Zeichen der Reformation und Martin Luthers. Die religiösen Umwälzungen, die der Augustinermönch und Universitätsprofessor in Gang setzte, fielen nicht vom Himmel. Zu den Vorläufern ist der böhmische Theologe und Reformator Jan Hus zu zählen, der vor 600 Jahren, am 6. Juli 1515, auf dem Konstanzer Konzil als Ketzer verurteilt und noch am selben Tag vor den Augen einer großen Menschenmenge verbrannt wurde, weil er seine Ansichten nicht widerrufen wollte. Eigentlich war Hus, mit einem Geleitbrief des Königs ausgestattet, an den Bodensee gereist, um seine Vorstellungen von Kirche diskutieren zu lassen. Aber Hus sollte Prag nicht mehr wiedersehen.

Das kleine Büchlein von Walter Rügert spannt anschaulich einen weiten Bogen von der Prager Zeit Jan Hus’ bis in die Gegenwart. Leben und Lehre, die politischen Hintergründe und die Folgen, die vom Wirken Hus’ ausgingen (Hussitische Revolution, Kreuzzüge gegen die Hussiten), werden gut lesbar geschildert. Der Autor beleuchtet auch das Verhältnis Luthers zu Hus und Aspekte der Erinnerungskultur.