„Ein unvergessener Muttertag“ für Agnes Nieder

Emmerich..  Agnes Nieder (87) aus Emmerich hat den NRZ-Lesern ein Muttertagserlebnis niedergeschrieben: „Seit Wochen hatten mich meine beiden Söhne – damals ungefähr sechs und acht Jahre alt – immer wieder mit der gleichen Bitte bedrängt, ihnen doch einen Wellensittich zu kaufen. Sie wollten dem Vogel das Sprechen beibringen. Zu der Zeit war ich beruflich sehr eingespannt und fürchtete mich vor jedem weiteren Ballast. Schließlich muss so ein Vogelkäfig täglich gesäubert werden und der Staubsauger wird auch täglich gebraucht, um die Futtereste vom Teppichboden zu entfernen. Beim Anblick zweier so inständig bittender Augenpaare fiel mir meine Ablehnung weiß Gott nicht leicht.

Dann kam der Muttertag. Ich wurde früh geweckt von Geräuschen aus dem Esszimmer. Durch den Türspalt sah ich, dass meine beiden Buben eifrig den Frühstückstisch deckten. Mein Mutterherz schmolz dahin vor Liebe und Glück. Ich legte mich jedoch wieder ins Bett und harrte der Dinge, die da kommen würden. Es dauerte auch nicht lange, da standen meine beiden Buben an meinem Bett. Sie hatten ihre Spardosen geöffnet und schütteten den Inhalt auf meine Bettdecke mit den Worten: ‘So, Mami, jetzt kannst Du Dir einen Wellensittich kaufen!’

Am nächsten Tag war der Wellensittich mitsamt Käfig da und wurde auf den Namen Jakob getauft.“