Ein Schrebergarten mitten in der Reeser City

Günter Schneider bewirtschaftet noch den einzigen Schrebergarten in Rees.
Günter Schneider bewirtschaftet noch den einzigen Schrebergarten in Rees.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der schon 78-jährige Günter Schneider bewirtschaftet aktuell den einzigen Schrebergarten, der in der Reeser City gelegen ist. Unter anderem erntet er Kartoffeln.

Rees..  Als Günter Schneider sein Haus an der Freystraße verkauft hatte und mit seiner Frau die Wohnung am Markt bezog, fehlte ihm der eigene Garten sehr.

Schon als Kind hatte er auf einem Stück Land in Oberhausen das Gärtnern erlernt. Sein erblindeter Vater hatte einen Morgen Land gepachtet, um die elf Kinder mit Kartoffeln und frischem Gemüse ernähren zu können. So bewirtschaftete auch Günter Schneider, als er mit seiner Frau nach Rees zog, einen Nutzgarten, hielt sogar Schweine, damals am Spyck.

Doch das ist schon lange her. Als er vor 15 Jahren erfuhr, dass ein verpachteter Kleingarten der katholischen Kirche an der Gartenstraße frei werden sollte, kontaktierte er die Vorpächterin. Nach dem Tod des Ehemannes hatte diese den Garten nicht mehr bewirtschaften wollen. Günter Schneider erhielt den Zuschlag und genoss von nun an die tägliche Arbeit unter freiem Himmel. Ganz viel Liebe und Arbeitskraft investiert er hier.

Kartoffeln selbst zu ernten, ist für den heute 78-Jährigen immer noch eine große Freude. Und Freude bereitet er gern, wenn er seine gezogenen Tomaten, Paprika, Kohlrabi oder Bohnen aus dem Gewächshaus oder dem Hochbeet an liebe Nachbarn, die Familie oder Freunde verschenkt. „In diesem Jahr ist alles sehr spät“, bedauert der rüstige Rentner. Um so mehr freut er sich jetzt über eine reiche Ernte.

Früher gab es zahlreiche Kleingärten in Rees, sogar ganz in seiner Nähe, am Kreisverkehr Altes Amtsgericht. „Doch dort haben einige Schrebergärtner unkontrolliert Hütten und Baracken gebaut, so dass es dem Besitzer zuviel wurde und er das Land nicht mehr verpachtete“, wurde Günter Schneider berichtet. Nach dem Krieg gab es zahlreiche Kleingärten mit Wellblechhütten am Friedhof, hier wurde das erste Gemüse angebaut.

Zum Kleingarten von Günter Schneider gelangt man von der Gartenstraße aus auf einem kleinen Stichweg. Hinter dem Grundstück grenzen die Häuser Am Damm an. Neben diesem Garten gibt es noch eine verpachtete Parzelle, die der Kirche gehört, die aber kein Nutzgarten ist. „Auch die evangelische Kirche hatte ein Grundstück, das vor einigen Jahren verkauft wurde“, weiß Schneider, der den 450 Quadratmeter großen Garten allein bewirtschaftet und gern die Pacht von 60 Euro bezahlt. „Einmal im Jahr veranstalte ich hier ein Familienfest mit meinen Geschwistern.“ Dafür bringt er das Holzhaus im Garten auf Vordermann. Heute erfreut sich Günter Schneider an Tausendschön und Bartnelken. Und am Specht, der hier ebenfalls ein zweites Zuhause gefunden hat.