Ein Kinderbus tourt durch Rees

Tagesmutter Linda Isselburg hat sich einen Kinderbus geleistet. Damit bleibt sie auch mit fünf Tageskindern mobil. Selbst Sohn Henning findet dort noch einen Platz .
Tagesmutter Linda Isselburg hat sich einen Kinderbus geleistet. Damit bleibt sie auch mit fünf Tageskindern mobil. Selbst Sohn Henning findet dort noch einen Platz .
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Tagesmutter Linda Isselburg betreut fünf Tageskinder. Und ist dennoch mobil. Ein Kinderbus machts möglich. Darin findet sogar noch Sohn Henning Platz.

Rees..  Linda Isselburg ist Tagesmutter und betreut fünf Kinder. Eigentlich sechs, denn auch Sohn Henning (2) braucht ihre Aufmerksamkeit. Mobil ist die Reeserin dennoch. Jeden Werktag ist sie mit allen Kindern unterwegs. Gleichzeitig! Ein Kinderbus macht’s möglich. Den hat die 40-Jährige 2008 gekauft und schiebt damit die Kleinen durch die Straßen der Stadt. Manchmal auch durch den Supermarkt. „Wo ein Rollstuhl durchkommt, reicht der Platz auch für uns“, sagt sie während sie Leon den Fünf-Punkt-Gurt umlegt.

Nachdem alle sechs angeschnallt sind und die schwarze Tür ins Schloss geschnappt ist. löst Linda Isselburg die Bremse und schiebt den rot-grauen Wagen mit hellem Sonnensegel an. Ziel ist die Kindertagesstätte Villa Kunterbunt. Den Weg kennen die Kinder schon. Es gilt, wie jeden Werktag, Julian abzuholen, einen weiteren Sohn der Tagesmutter. „Tagesmutter zu sein ist für mich ein idealer Beruf, ich kann meine eigenen drei Kinder betreuen und dennoch arbeiten“, sagt die allein erziehende Mutter. Außerdem findet sie es interessant, die Kinder in einer sehr spannenden Phase ihrer Entwicklung zu begleiten.

Wertvolle Hilfe im Alltag leistet ihr dabei der Krippenwagen, ein Sechssitzer. Er verhilft ihr zu einem gewissen Maß an Mobilität. „Hätte ich den Bus nicht, könnte ich nur so viele Kinder mitnehmen wie ich Hände habe“, sagt sie.

Kennengelernt hat Linda Isselburg die Vorteile des Kinderbusses schon vor Jahren an ihrer früheren Arbeitsstelle, der Düsseldorfer Kindertagesstätte St. Bruno. Diese besaß damals schon ein solches Gefährt. „Es lässt sich leicht schieben“, sagt Linda Isselburg mit Blick auf die hochwertigen Rollen darunter. Klar, dass sie sich ziemlich rasch nach ihrem Schritt in die Selbstständigkeit auch so einen Kinderbus zulegte. 1500 Euro hat sie dafür hingeblättert – ohne Zusatz wie Sonnendeck, bzw. Regenschutz und Sitzsäcke. „Finanziell lohnt sich das nicht“, sagt die Tagesmutter. „Das krieg ich nie wieder raus“, legt sie nach. Denn mit fünf Euro pro Stunde und Kind ist der Job einer Tagesmutter nicht gerade üppig bezahlt. „Vergessen darf man ja nicht, dass ich davon auch noch Steuern und Versicherungen zahlen muss“, sagt die Reeserin. Immerhin: Sie kann davon leben.

Von einer 35-Stunden-Woche kann sie nur träumen. Zumal die sie vor und nach der Betreuungszeit von 7 bis 17 Uhr noch zu tun hat. Heute hat sie das Möhrengemüse in aller Herrgottsfrühe zubereitet, das sie mittags den Kindern servieren wird. „Wenn die Kinder hier sind, kann ich nicht gleichzeitig den Haushalt schmeißen“, sagt sie. Dann muss sie Obst anreichen, Tränen trocknen, Windeln wechseln, mit den Kindern Bilderbücher anschauen oder sie zu Bett bringen. „Aber die Kinder helfen sich auch selbst“, weiß Linda Isselburg. Wenn einer seinen Schnuller hole, bringe er oft auch den eines anderen Kindes mit.

Aber jetzt heißt es: Raus in die Natur, wobei der Wagen den Kindern uneingeschränkte Sicht garantiert. „Es gibt eigentlich kein Kind, das nicht gern im Kinderbus unterwegs ist...“, sagt Linda Isselburg.