Ein gefährliches Pflaster
27.08.2008 | 17:08 Uhr 2008-08-27T17:08:55+0200VERKEHR. Seit die Tempelstraße saniert wird, ärgern sich die Nachbarn über Raser, Falschfahrer, Parksünder und die Stadt.
EMMERICH. Von seinem Schreibtisch aus blickt Vermögensberater Uwe Went auf das alltägliche Chaos auf der Straße Fischerort: Seit dem 11. August, seit die Stadt die Tempelstraße für Bauarbeiten gesperrt hat (wir berichteten), läuft "dreimal so viel Verkehr", so Went, über Fischerort. Seither machen Raser, Falschfahrer und -parker den offiziell verkehrsberuhigten Bereich zu einem gefährlichen Pflaster.
Eine Mitschuld geben viele Anwohner der Stadtverwaltung: "Wir haben von den Baumaßnahmen und der veränderten Verkehrsführung nur aus der Zeitung erfahren", kritisiert Uwe Went. "Selbst bei der eintägigen Sperrung für das Radrennen sind alle Betroffenen durch einen Brief aufgeklärt worden." So aber wurde auch Henriette Heister eine Falschfahrerin. Dabei wohnt die Inhaberin der "Geschenkewelt" seit 30 Jahren an der Ecke Fischerort, Christoffelstraße: "Ich kam eines Morgens vom Rheinpark und da war kein Hinweis darauf, dass die Einbahnstraßen-Regelung für Fischerort nun plötzlich in entgegengesetzter Richtung gilt."
Nächste Woche ist die Baustelle weg
Diese Verkehrsführung, meint Michael Baumgärtner vom zuständigen städtischen Fachbereich, "kennen die Anwohner doch schon von der Sanierung des Alten Marktes vor eineinhalb Jahren. Daher haben wir keine Flyer verteilt."
Wie dem auch sei: Seit die Tempelstraße saniert wird (siehe Kasten), gibt es für Autofahrer, die über die Steinstraße in die Stadt kommen, nur einen Ausweg. Genau: über den Fischerort. Geschäftsmann Norbert Koenen freut das sogar: "Weil sonst müssen unsere ja Kunden erst einen großen Umweg über den Parkring fahren, wenn sie zu uns wollen."
Was seine Freude und die der Anwohner trübt: "Die rasen hier wie die Irren", berichtet Friseurin Melanie Lehwald. Dabei ist Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben. Ein besonderer Gefahrenpunkt ist der Zugang zum Rhein, an dem Fußgänger den Autofahrern in die Quere kommen. "Da wären mehrmals fast Kinder unter die Räder gekommen", hat Went beobachtet. Er fordert mehr Kontrollen durch die Polizei - und die Stadt: "Weil viele Fahrer im Halteverbot auf dem Gehweg parken und der Lieferverkehr kaum durchkommt."
Politessen und Polizei seien informiert, entgegnet Michael Baumgärtner. Er meint aber auch: "So schnell kann man da gar nicht fahren." Ein zusätzliches Schild als Hinweis auf den verkehrsberuhigten Bereich hält er für "übertrieben. In ein paar Tagen ist die Tempelstraße ja wieder befahrbar."
80 Meter Tempelstraße werden für 110 000 Euro saniert. Seit gestern verlegt die Baufirma bereits die Pflastersteine, die auch auf dem Alten Markt liegen. Die Gehwege sind bereits fertig. "Bis zum Stadtfest ist alles fertig", verspricht Michael Baumgärtner vom Fachbereich 5. "Die Firma hat sich wegen der Anwohner extra beeilt und sogar samstags gearbeitet." (pw)
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