Ein Bilderbuch-Abend

Die Stimmung beim von der NRZ präsentierten Rock im Saal in Rees-Haldern war gigantisch gut.
Die Stimmung beim von der NRZ präsentierten Rock im Saal in Rees-Haldern war gigantisch gut.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die NRZ präsentiert: Beim 21. Rock im Saal in Rees-Haldern kam die Überraschungsband aus Österreich. Helden des Abends waren die Schotten We Were Promised Jetpacks

Haldern.. Über 1,2 Millionen mal haben Musikinteressierte das Video „Maschin“ der österreichischen Band Bilderbuch auf Youtube angesehen. Aktuell kommen wahrscheinlich einige Klicks aus Haldern dazu. Denn die Wiener waren die Überraschungsband beim 21. Rock im Saal – präsentiert von der NRZ. Bilderbuch werden in der Branche gerade ziemlich nach vorne getrieben, treten im Sommer bei etlichen großen Festivals auf. In Haldern musste die „Scheibe Wurst an der Fleischtheke“, wie Sänger Maurice Ernst die Band verglich, erst einmal die Geschmacksprobe bestehen. Haldern sei ja immerhin ein „Wallfahrtsort der Musikgeschichte“, so Maurice Ernst.

Einen Großteil des Publikums im randvollen Saal Tepferdt konnte das Quartett überzeugen. Ihr Funk-Rock erinnert an die Red Hot Chili Peppers. Gewürzt wird das Ganze mit einer ordentlichen Prise Wiener Schmäh und Posen, wie man es von einem großen Österreicher kennt: Falco. Vor allem Frontmann Ernst weiß sich in Szene zu setzen wie ein Star. Viele Lieder haben einen gewissen Flirt-Faktor – passt zu Balzposen des Sängers.

Aber das Gehabe lenkt nicht von einer anderen Tatsache ab. Bilderbuch sind hervorragende Musiker und pfiffige Liedermacher. Viele Songs haben ihre besonderen Ecken und Kanten. Abgesehen vom Funk-Rock entwickeln manche Stücke einen Bombast und eine Energie, dass sie an eine Mischung aus Queen und Muse erinnern; poppig, modern aufgemacht, aber immer noch Gitarren-Musik. Gitarrist Michael Krammer verwöhnte die rockverliebten Zuhörer mit einigen genialen Soli – kostprobe gefällig? Ein kleines Video gibt’s auf www.facebook.de/NRZemmerich. Das Publikum forderte lautstark die Zugabe, die dann auch folgte. Bilderbuch packten mit „Kopf ab“ eine ihrer ersten Singles aus. Ein schöner Abschluss.

Der Höhepunkt des Abends sollte aber am Ende folgen: Welch ein Kontrast zu den Posen der Wiener. Die Schotten von We Were Promised Jetpacks sind äußerst bodenständig. Das Publikum lieferte sich im Zentrum vor der Bühne einen deftigen Pogo. Die treibende Musik des Quintetts bietet sich dafür an. Nicht zuletzt durch ihren Auftritt beim Haldern Pop Festival 2013 sind die Schotten in guter Erinnerung geblieben. Die Indie-Rocker aus Edinburgh verstehen es, Spannung aufzubauen. Viele ihrer Lieder bauen sich bis zu einem ekstatischem Punkt auf. Diese Explosionen erzeugen Glücksgefühle in der Rock’n’Roll-Seele.

Wut der Woche

Sänger Adam Thompson hat eine intensive Stimme, die diese Momente perfekt meistert. Ja, am Ende war gerade das Pogo-Publikum schon recht müde gespielt. Die Jetpacks haben auch ein feines Gespür für die richtige Liedauswahl. Sie wissen, welche Stücke besonders gut funktionieren. Ein lauter Endapplaus war der Lohn, bevor die Gäste für die anschließende Sause nochmal ihre Kräfte sammeln konnten.

Der Abend begann mit den Intergalactic Lovers. Und auch die Belgier unterhielten das Publikum prächtig. Sängerin Lara Chedraoui tanzt „wie ein kopfloses Huhn“, wie sie selbstironisch sagte, da müsse sich keiner für seine Tanzeinlagen schämen. Ohnehin konnte Chedraoui die Zuhörer schon früh einbinden. Bei „Ireland“ wurde das Publikum zum Chor. Hörte sich super an. „Es ist Samstag und ich will die Wut der Woche hören“, hatte die Sängerin ihren „Chor“ animiert. Hat funktioniert.

Das Quintett spielt einen melodiösen Indie-Rock mit sehr schönen Gitarren-Passagen und eleganten Stimmungswechseln. Auffällig ist das klare, mitreißende Schlagzeugspiel. Die erste Band des Abends hat immer den Vorteil, dass die Technik im Vorfeld ohne Stress abgestimmt werden kann. Bei den Intergalactic Lovers fiel der besonders gute Ton (ist im Saal Tepferdt nicht immer leicht) auf. Zum Abschied verließ ein Musiker nach dem anderen während des Liedes die Bühne, bis am Ende nur noch der Bassist spielte. Ein eleganter Abgang, der mit viel Beifall bedacht wurde.