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Vorwürfe

Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an

09.08.2012 | 06:00 Uhr
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
Im Kinderheim St. Elisabeth soll Detlef Rudolph in den 70er-Jahren Opfer von Misshandlungen geworden sein.Foto: Konrad Flintrop

Emmerich.  In den 70er-Jahren lebte Detlef Rudolph im Emmericher Kinderheim St. Elisabeth. Nun hat das ehemalige Heimkind Strafanzeige gegen den damaligen Heimleiter, dessen Stellvertreter und den Träger gestellt. Die Vorwürfe: Misshandlung Schutzbefohlener, Körperverletzung und Nötigung.

Er hat einen weiteren Schritt gemacht. Detlef Rudolph hat Strafanzeige erstattet – und zwar gegen den ehemaligen Leiter des Kinderheims St. Elisabeth und dessen Stellvertreter, sowie gegen die Katholische Waisenhaus-Stiftung als Träger der Einrichtung. „Am 4. August wurde die Anzeige von meiner Anwältin bei dem für mich zuständigen Polizeikommissariat eingereicht“, so der 49-Jährige. Die Vorwürfe: Misshandlung Schutzbefohlener, Körperverletzung und Nötigung.

Wie wir berichteten , war Detlef Rudolph in den 70er-Jahren in dem Emmericher Kinderheim untergebracht. Eine Zeit, die den heute arbeitsunfähig geschriebenen Ergotherapeuten geprägt hat: Rudolph gibt an, dort Opfer von körperlichen Misshandlungen geworden zu sein. Von ihm gesammelte Aussagen – unter anderem von damaligen Erzieherinnen der Einrichtung – untermauern dies. „Strafanzeige habe ich nun erstattet, um die Ernsthaftigkeit meines Anliegens zu unterstreichen“, sagt Detlef Rudolph.

Kampf um Anerkennung

Der 49-Jährige kämpft beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe dafür, dass er als Opfer einer Gewalttat anerkannt wird. Er geht davon aus, dass seine Anzeige von der zuständigen Staatsanwaltschaft eingestellt wird, „da die Straftaten möglicherweise schon verjährt sind“.

Detlef Rudolph

Nachdem er sich nun vor einigen Wochen mit seiner Geschichte in die Öffentlichkeit begeben hat, habe er viele Reaktionen bekommen. So haben sich weitere Geschädigte bei ihm gemeldet. „Diese Menschen waren dankbar, endlich Gehör gefunden zu haben“.

Gespräche mit der Waisenhaus-Stiftung abgelehnt

In seiner Stellungnahme zu Rudolphs Vorwürfen hatte die Katholische Waisenhaus-Stiftung ihm seinerzeit ein Gespräch mit dem damaligen, noch lebenden stellvertretenden Heimleiter angeboten. Angenommen hat Rudolph dieses nicht. Und wird dies auch künftig nicht tun.

Aus zwei Gründen, wie er der NRZ sagte: „Zum einen hat der ehemalige stellvertretende Heimleiter angegeben, sich zwar an meinen Namen erinnern zu können, nicht jedoch an die Taten“, erklärt der 49-Jährige. Zum anderen habe seine Therapeutin von einem Treffen abgeraten, da dieses unkontrollierbar enden könnte.

Betroffenheit und Fassungslosigkeit

Das Bekanntwerden der Vorwürfe hatte in Emmerich vielfach Betroffenheit und Fassungslosigkeit ausgelöst, und das vor allem bei denen, die die damalige Heimleitung noch kannten. Die Waisenhaus-Stiftung selbst hatte die Vorwürfe zur Kenntnis genommen, aber auch betont: „Wir wissen nicht, welche Aussagen er hat, wir können das nicht nachvollziehen“, so Geschäftsführer Hans-Jürgen Kraayvanger. Ein Gesprächsangebot auf neutralem Boden ließ Rudolph platzen.

Kraayvanger wies darauf hin, dass ihm Aussagen von fünf Mitarbeitern vorlägen, die in den 70er-Jahren und später noch im Elisabeth-Heim tätig gewesen seien und die sich das überhaupt nicht vorstellen könnten: „Auch ich kann es mir bei beiden nicht vorstellen.“ Dafür habe er keine Anhaltspunkte gefunden.

Sarah Eul und Norbert Kohnen



Kommentare
11.08.2012
09:19
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Texas67 | #8

Ich habe gerade erst von diesem Artikel erfahren. Auch ich war in der zeit von 1972-1976 in dieser Einrichtung. Herr Müller hat mich damals brutalst mit einer Dachlatte verprügelt im beisein weiterer Kinder. Namen sind mir noch bekannt.Dieser Mann war einfach nur brutal....
Und alle damaligen Erzieherinnen wußten davon. Welch ein Hohn heute zu behaupten das wäre nicht geschehen. Sollte die Redaktion meinen Klarnamen benötigen ....bitte einfach eine Mail an meine Adresse.
Ich wünsche mir das die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Es muß endlich schluss sein mit diesem katholischen Lügengebilde aus vermeindlichen christlichen Werten.

10.08.2012
12:12
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Name von Moderation entfernt | #7

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10.08.2012
08:34
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Emmericher | #6

Als Emmericher bin ich total schokiert über diese Ereignisse. Ich hege keinen Zweifel über die Richtigkeit dieser Angaben. Die NRZ würde diese Artikel ohne Rückversicherung sicherlich nicht drucken. Immerhin steht hier der Ruf des Kinderheimes St.Elisabeth im Raum.
Zu den unqualifizierten ersten zwei Beiträgen gibt es eigentlich nichts zu schreiben. Schlimm genug wie die Waisenhausstiftung reagiert. Eine Schande für unsere Stadt.

09.08.2012
17:33
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Ellenmausi | #5

Herr Kraayvanger befragt hier anscheinend die falschen ehemaligen Mitarbeiter. Ich kenne Herrn Rudolph und mir sind 10 Zeugenaussagen bekannt. Was versucht hier die Waisenhausstiftung zu vertuschen?? Auch noch das Opfer als Lügner hinzustellen......
Kaum zu glauben.....
Aber...wir kennen das ja...!!!
Sicherlich wird der Weg der Aufarbeitung für beide Seiten ein schwieriger sein. Aber bitte nicht in solch einer Art und Weise.
Herr Kraayvanger sollte sich schämen ob seiner Haltung und Einstellung gegenüber den Opfern. Ja...richtig gelesen....Opfern......es gibt wahrlich noch mehr davon.
Vielleicht hat die NRZ ja mal den Mut Ross und Reiter zu benennen.Ich bewundere den Mut von Herrn Rudolph diese Schandtaten unter dem Deckmantel der katholischen Kirche aufgedeckt zu haben. Mögen sich alle diejenigen Schämen die glauben machen wollen das solch ein "Erziehungstil" etwas fremdes sei für das Kinderheim St. Elisabeth.Niemand wird wissen wollen wieviel Menschen sterben mußten.....

1 Antwort
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von BaerbelDU | #5-1

Wünsche Herrn Rudolph viel, viel Kraft für seinen weiteren Weg und bin mir sehr sicher, dies tun die meisten Leser, die von seinem Schicksal hörten.
Durchhalten!

09.08.2012
17:14
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Tegro1 | #4

Den Zweiflern hier sei mal fogendes gesagt: Von wegen wagen Anschuldigungen.
Es gibt eindeutige Aussagen von ehemaligen Erzieherinnen die genau diese Anschuldigungen bestätigen. Hier geht es auch nicht um Geld oder Profilierungssucht.
Wer weis schon wie es sich anfühlt jahrelang das Gefühl zu haben um sein Leben bedroht zu werden.
Hier wagen anscheinend Menschen einen Komentar abzugeben die nie in ähnlicher Situation waren. Hier sollte für solche "Nestbewahrer" eigentlich kein Platz sein.Nach dem Motto "was nicht sein darf...kann auch nicht sein..."""
Beschämend finde ich die Aussage der Waisenhausstiftung das diese sich die Übergriffe nicht vorstellen kann. Mögen sie doch den Mut haben Herrn Rudolph zu fragen.....und sich die Zeugenaussagen zeigen lassen.Das wird Ihnen die Augen öffnen....Aber besser ist wie gehabt in Kath. Eirichtungen. Augen zu und mit christlichen Werten in den Abgrund.....Wie peinlich......

09.08.2012
16:30
siehe Vorbericht vom 15.07.2012
von BaerbelDU | #3

Im oben im Text verlinkten Vorbericht steht, dass er das Trauma so lange verdrängen konnte, bis eine Patientin von ihm ermordet wurde und da kam Alles wieder hoch. Er macht das Alles, also Anzeige, Zeugen sammeln (die es ja gibt, also Nix mit "vagen Anschuldigungen") etc. aus therapeutischen Zwecken auf Rat seiner Ärztin. Keine direkten Gespräche zu führen hat sie ihm wie im Artikel zu lesen ja ebenfalls geraten (was ich nachvollziehen kann wegen Retraumatisierung). Ich denk mir, keiner von uns steckt (na Gott sei Dank und auch hoffentlich) da drin und finde Spekulationen über Geldgier oder Profilierung wie bei #1+#2 hier eher unangebracht, dem Mann gehts eh übel.

2 Antworten
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Danle | #3-1

Aber wenn Anschuldigungen ausgesprochen werden, muss doch die andere Seite auch eine Möglichkeit haben dürfen darauf zu reagieren. Oder?

Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von BaerbelDU | #3-2

Das tun die doch auch, die streiten`s ungeachtet der Zeugenaussagen ab (wie immer in solchen Fällen) wie man oben lesen kann.

09.08.2012
15:48
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Danle | #2

Wem nützen die vagen Anschuldigungen wenn man dann nicht bereit ist sich mit den betreffenden Personen auch zusammen zu setzen? Das ist doch nur "schmutzige Wäsche Waschen". Und das Kinderheim hat keine Chance dazu, Stellung zu beziehen. Das ist nicht fair.

Warum hat Detlef Rudolph so lange gewartet? Was kann man nach 30 Jahren noch beweisen? Ist Ihm dabei geholfen oder ist er nur auf das Geld aus? Ich kann es schwer nachvollziehen.

09.08.2012
14:44
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Funakoshi | #1

Irgendwie stellt sich bei mir auch das Gefühl ein, einige möchten noch schnell auf den "Kinderheimzug" aufspringen, sich einmal im Leben so richtig wichtig machen oder einfach nur mit Dreck kübeln. Wenn sich Jemand 30 Jahre Zeit lässt möchte ich gelegentlich fragen: "Warum nicht eher???"

1 Antwort
Ehemaliges Heimkind zeigt Emmericher Kinderheim wegen Misshandlung an
von Emmericher | #1-1

Ich habe selten solch einen unqualifizierten Beitrag gelesen. Sich einmal im Leben so richtig wichtig machen...???
Wer sich nur ein wenig mit traumatisierten Kindern auskennt, der weiss das deren Seele solch brutalen Übergriffe über Jahrzehnte "verdrängen" kann. Erst geeignete Retraumatisierungen führen dann zum "wieder hoch kommen" lange verdrängter Ereignisse. Das zu Ihrer Frage nach dem Warum...
Mit Dreck kübeln hat das ganze sicherlich nichts zu tun. Was soll man aber von jemanden mit solch einem Schreibstil und dieser Ausdrucksweise anderes erwarten..??
Sich mal ein wenig mit den Opfern solcher Übergriffe zu solidarisieren ist sicherlich in dieser Gesellschaft zu viel verlangt. Armes Deutschland.....

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Die Frage: Ist ein Masterplan für die City sinnvoll?

So haben unsere Leser abgestimmt

Ja, die Innenstadtplanung muss mal aus einem Guss kommen.
22%
Ja, die Gesellschaft ist im Wandel, die Stadtplanung muss sich anpassen.
14%
Ja, die Verwaltung wäre mit dieser Aufgabe überfordert.
3%
Masterplan hier, Arbeitskreis da. Es wird zu viel diskutiert und zu wenig gehandelt.
25%
Nein, die Ergebnisse werden eh nicht konsequent umgesetzt.
9%
Nein, die Gutachter kosten nur viel Geld. Die Erkenntnisse sollen sich Politik und Verwaltung selbst erarbeiten.
27%
343 abgegebene Stimmen
 
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