E-Zigaretten: Wirt hat Hausrecht

Unter Dampf (v.l.): Walter Pfeifer, André Koch, Inhaber Jörg Angenendt und Klaus Bartisch im „Qualmlos“.
Unter Dampf (v.l.): Walter Pfeifer, André Koch, Inhaber Jörg Angenendt und Klaus Bartisch im „Qualmlos“.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
„Rauchen verboten – Dampfen erlaubt“: Nach Kölner Gerichtsurteil will Fachhändler Jörg Angenendt aus Emmerich jetzt auf Kneipiers zugehen und ihnen Sticker anbieten

Emmerich..  Jetzt kann Jörg Angenendt endlich durchstarten. Der Betreiber des Fachhandels für elektrische Zigaretten, Qualmlos, hat die letzte Frist eines Gerichtsprozesses vor dem Kölner Verwaltungsgericht abgewartet, jetzt weiß der 44-Jährige sicher: Das Dampfen von E-Zigaretten in Gaststätten ist in NRW erlaubt; das Nichtraucherschutzgesetz schließt das Dampfen nicht ein.

In Köln hatte ein Wirt die Stadt verklagt, weil die ihm Ordnungsmaßnahmen androhte, wenn er weiterhin den Konsum von E-Zigaretten in seiner Kneipe erlauben würde. Die Stadt war der Argumentation des Bundes gefolgt, dass E-Zigaretten unter das Nichtraucherschutzgesetz fielen, wo sie aber wörtlich nicht erwähnt werden. Die Richter gaben dem Wirt recht. Am 30. Dezember 2014 lief die Frist für eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision aus. Das Urteil ist rechtskräftig.

Normale Zigaretten schädlicher

Ob ein Wirt das Dampfen erlaubt, ist seine Entscheidung: „Er hat das Hausrecht“, weiß Angenendt. Der nebenberufliche Händler will jetzt auf die hiesigen Wirte zugehen und ihnen einen Sticker anbieten, den sie nach Außen erkennbar aufkleben können: „Rauchen verboten – Dampfen erlaubt.“ So zeigen sie den Kunden, dass in ihrem Lokal gedampft werden darf.

Doch es geht nicht nur um die Gäste der Gastronomie. Das schwebende Urteil und manche ablehnende Äußerung aus der Politik haben die Menschen verunsichert. „Viele Leute glauben, E-Zigaretten seien deutlich schädlicher als normale Zigaretten“, berichtet Angenendt aus seiner Erfahrung. Klar, auch Dampfen ist schädlich. Doch etliche Gutachten bestätigen inzwischen, dass normale Zigaretten für den Menschen noch schädlicher sind. Was Angenendt nicht überrascht: „In einer Zigarette sind 4000 bis 6000 Schadstoffe enthalten.“ Die Liquide, die in der E-Zigarette verdampft werden, haben fünf Bestandteile: Propylenglycol (Lebensmittelzusatzstoff E 1520); Glycerin (Lebensmittelzusatzstoff E 422); destilliertes, keimfreies Wasser; Lebensmittelaromen und Nikotin. Gerade einige Raucher spielen mit dem Gedanken, auf E-Zigarette zu wechseln. „Einige, die lange Bedenken hatten, ob das Dampfen nicht doch schädlicher sein könnte, haben jetzt angefangen“, schildert Angenendt. Die Branche betone zwar, dass Dampfen nicht zur Rauchentwöhnung geeignet sei, dennoch „haben viele durch E-Zigaretten die Nikotin-Einnahme schrittweise verringert“. Einige hätten sogar ganz aufgehört.

Der Emmericher fing klein an. Zunächst mit einer Vitrine in der Schreinerei Rosendahl. Im Dezember 2011 eröffnete Qualmlos am Bremer Weg, in den Räumen einer Ex-Kneipe. Zunächst nur mit Öffnungsterminen auf Anfrage. „Seit Mai 2012 haben wir dauerhafte Öffnungszeiten“, sagt er. Die haben sich eingependelt auf montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 12 Uhr.

Bei den Inhaltsstoffen gibt es qualitative Unterschiede. Der Qualmlos-Betreiber setzt auf hochwertige Liquide, die pharmazeutische Inhaltsstoffe verwenden, wie sie in der Lebensmittel-Industrie zum Einsatz kommen. Bei den Aromen gibt es eine enorme Bandbreite. Im Schnitt kosten bei ihm zehn Milliliter 5,90 Euro.

Im Geschäft Qualmlos kommt die NRZ mit einigen Dampfern ins Gespräch. André Koch erzählt, wie er vor zwei Jahren von einem Tag auf den anderen von einer Schachtel Zigarillos am Tag aufs Dampfen umstieg: „Der Gestank ist weg. Nach zehn bis 14 Tagen löste sich der Teer. Ich hab’ deutlich mehr Luft. Und da mein Arbeitgeber Dampfen am Arbeitsplatz toleriert, muss ich auch nicht mehr draußen frieren.“ Außerdem spare er viel Geld: „Ich habe oft eine Zigarette angezündet und dann nicht zu Ende geraucht.“ Die E-Zigarette kann man nach Bedarf dampfen und dann einfach das Liquid auffüllen, wenn es leer ist. Walter Pfeifer und seine Frau sind gemeinsam vor einem halben Jahr umgestiegen, was besonders die Kinder sehr erfreut. „Sie finden den Duft sogar angenehm“, so Pfeifer. Klaus Bartisch ist auch seit einem halben Jahr Dampfer: „Man wird weniger diskriminiert als ein Raucher.“ Da er seine Umwelt auch nicht mehr so belaste wie zuvor, habe sich sein schlechtes Gewissen verkleinert. Der Dampf rieche eher wie eine Duftkerze. Selbst seine Katzen flüchteten nicht mehr.

Infos unter www.qualmlos-emmerich.de Weitere Infos unter www.qualmlos-emmerich.de