Die Winkelmänner müssen sich stets neu erfinden

In den Ratsstuben bei Manuela und Peter Winkelmann fühlt man sich sogleich wohl.
In den Ratsstuben bei Manuela und Peter Winkelmann fühlt man sich sogleich wohl.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Schon seit 20 Jahren betreiben Manuela und Peter Winkelmann die Ratsstuben am Markt zu Elten. Aus einer Kneipe ist mittlerweile ein Pub-Restaurant-Café geworden.

Elten..  Die Winkelmänner müssen sich stets neu erfinden. Das bringt das Geschäft unweit des Eltener Marktes schlicht mit sich. Und so kommt’s nicht von ungefähr, dass die Speisekarte der Ratsstuben viele persönliche Noten enthält. „Manuelas Traum“ etwa ist ein frisch geklopftes Pfannenschnitzel mit Schinken und Käse überbacken. „Peterchens Mondfahrt“, ebenfalls auf der zweiseitigen Schnitzelkarte zu finden, erfreut die Zunge mit der schärfsten von sieben Soßen des Haussortiments.

Neu erfinden, das ist eine Erfolgsformel für des Pub-Restaurants an der Streuffstraße zwischen altem Rathaus und St. Martinus-Kirche. „Sonst hätten wir sicher nicht so lang durchgehalten“, betont Manuela Winkelmann, die 48-jährige resolute Chefbedienung des herrlich altmodischen, aber gemütlichen Lokals mit alten Singer-Nähmaschinen auf den Fensterbänken. Und einem holzig duftenden Kamin im Speisezimmer.

„So lang“ heißt: genau 20 Jahre. Was eine halbe Ewigkeit ist angesichts einer Gastronomie-Fluktuation, die aktuell bei schnell vergänglichen zwei bis drei Jahren liegt, ehe ein Besitzer wechselt. Oder die Lokalität ganz schließt. Wie der Eltener „Stern“ im vergangenen Oktober. Nur mal so: Einst hatte das Silberdorf 33 Brauereien und 25 Kneipen.

„Anfangs“, erinnert sich Koch Peter Winkelmann an 1995 und den profanen Dorfschänke-Betrieb, „haben wir hinten im Erdgeschoss ja noch gewohnt.“ 1999 entstand aus dem Kaminzimmer ein Speiseraum für 40 Personen. Womit sich die Kapazität verdoppelte. Sechs Jahre später wurde der Irish Pub mit schwarzem Guinness vom Fass eingerichtet. Sechs weitere Biere gibt es aus dem Zapfhahn.

„Wir haben uns irgendwann auf Speisen konzentriert. Das war genau die richtige Entscheidung. Nur Getränke verkaufen wie früher – davon kann man heute nicht mehr leben“, sagt Manuela Winkelmann. Die Niederländerin, deren Eltern bereits in Elten wohnten, als der Ort (bis 1963) noch zum Nachbarland gehörte, kennt die „alten“ Zeiten. „Da stand man hier in Dreierreihe an der Theke. Davor hatten wir noch Stehtische. Und eine Menge Rambazamba dazu.“ Vergangenheit. Der klassische Nur-Biertrinker in der Stammkneipe ums Eck ist aus der Mode gekommen.

Das Publikum in der Ratsstube spricht heute vorwiegend Niederländisch. 90 Prozent der Kundschaft reist aus dem Nachbarland an. Neben den Schnitzeln gibt es auch andere Renner. Irisches Steak beispielsweise, das komplett stressfrei umherlaufende Rinder von der grünen britischen Insel liefern, die vorwiegend meersalzhaltiges Gras fressen. Entsprechend zart gestaltet sich das Fleisch.

Die Spare Ribs bereitet Peter Winkelmann in seiner top-modern ausgestatteten Küche nach dem Rezept eines Kanadiers zu. „Der war mal hier auf Urlaub und hat mir im Gespräch verdammt gute Tricks verraten.“

Anderthalb Kilo auf dem Teller

Auch die Nachfrage nach Haxe ist groß. Hunger muss man allerdings reichlich mitbringen. „Anderthalb Kilogramm kommen auf den Teller. Bei uns gibt es kein Häxchen“, sagt der gebürtige Dinslakener, der im frühen Grundschulalter nach Elten kam, zwischenzeitlich aber seine Gastronomieausbildung in Bayern genoss. Deshalb auch ein gewisses Faible für die deftige südöstliche Küche Deutschlands entwickelt hat. Auch wenn Knödel bei den Niederländern nicht wirklich ankommen. Aber das ist nicht weiter tragisch. Die Winkelmänner erfinden sich ohnehin immer wieder neu.

Übrigens:

Wer aus der Winkelmann-Familie könnte mal die Ratsstuben übernehmen? Marian (25), der älteste der drei Söhne, arbeitet beim Chemie-Unternehmen Johnson Matthey in Emmerich. Und fällt deshalb raus. Seine Frau Magda hilft indes im Restaurant.

Der 15-jährige Marek interessiert sich fürs Kochen, unterstützt den Papa und könnte ein Nachfolger sein. Der achtjährige Marlon ist auch interessiert, bedient schon souverän die Waschmaschine, hat aber noch seine komplette Jugend vor sich.