Die Milchquote ist weg! Wie geht’s weiter?

Die Milchquote ist gefallen. Werden die Milchbetriebe am Niederrhein n
Die Milchquote ist gefallen. Werden die Milchbetriebe am Niederrhein n
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Agrarfabriken mit Hunderten von Milchkühen hält Dr. Franz-Josef Stork, Leiter Haus Riswick, für unwahrscheinlich. Es fehlt an Ackerflächen. Keine Gülle in Hülle und Fülle.

Rees/Kreis Kleve..  Mit dem 31. März dieses Jahres ist die Milchquotenregelung für die Bauern in der EU ausgelaufen. Jeder Bauer hat jetzt die unternehmerische Freiheit, über die Produktionsmenge und die Entwicklung des eigenen Betriebes frei zu entscheiden – wie jeder andere Unternehmer auch. Wird es also künftig riesige Agrarfabriken am Niederrhein geben? Und somit auch Gülle in Hülle und Fülle, die zu einer Belastung des Grundwassers führen könnte?

Butterberge und Milchseen

Ein Blick zurück: 1984 hatte der EG-Agrarministerrat die Einführung der Milchquote beschlossen. Nicht nur die Lagerbestände bei Butter und Milchpulver, Stichwort Butterberge und Milchseen, sollten abgebaut werden, man erhoffte sich zudem, die Preise für Milchprodukte zu stabilisieren. „Tatsache ist aber, dass die Quote nicht zu stabilen Erzeugerpreisen geführt hat“, sagt Dr. Franz-Josef Stork, Leiter des Versuchs- und Bildungszentrums Haus Riswick. Es habe deutliche Schwankungen gegeben. Der Bauernverband spricht von Schwankungen bis zum 20 Cent pro Kilogramm des Erzeugerpreises für Rohmilch. Auch das Sterben der Höfe konnte durch die Kontingentierung der Milch nicht aufgehalten werden. In den 31 Jahren der Milchquotenregelung ist die Zahl der Milcherzeuger deutschlandweit zurückgegangen. „Was sich auch im Kreis Kleve widerspiegelt“, weiß Agrarwissenschaftler Stork.

Nun also ist die Quotenregelung ausgelaufen. „Natürlich wird das Auswirkungen haben, wird sich die Zahl der Milchkühe im Kreis Kleve erhöhen“, ist Stork überzeugt. Aber Vermutungen, dass die Anzahl der Tiere um 20 bis 30 Prozent steigen wird, hält der Fachmann für unrealistisch: „Zehn Prozent halte ich für wahrscheinlicher.“ Schließlich sei ein ungebremstes Wachstum schon deshalb unmöglich, weil ausreichend Futterpflanzen für die Tiere angebaut werden müssten. „Ein neuer Kuhstall darf nur dann gebaut werden, wenn der Landwirt nachweisen kann, dass er ausreichend Ackerland besitzt oder gepachtet hat“, sagt er. Zum Beweis müssen Katasterauszüge bzw. langfristige Pachtverträge eingereicht werden.

Dabei muss man wissen: Ackerland ist knapp. „Und wird durch wachsende Gewerbegebiete, Straßenbau und Auskiesung immer wertvoller“, erklärt Stork. Die Verknappung sei auch an den Pachtzinsen abzulesen, so Stork, die in den vergangenen fünf bis zehn Jahren spürbar angezogen hätten.

Weiteres Regulativ seien die Baubeschränkungen und zunehmende Menge an Gülle. Letztere darf nämlich auch nicht unkontrolliert auf die Felder aufgebracht werden. Der Düngeverordnung sei Dank, die nur eine kontrollierte Menge an Phosphor und Stickstoff-Auftrag erlaubt. „Das wird über eine zentrale Datenbank gesteuert“, erklärt Franz-Josef Stork.

Eines ist aber klar. Stork hält die Rahmenbedingungen am Niederrhein, die durch Familienbetriebe gekennzeichnet ist, für zukunftsfähig. Und auch die Milchleistung pro Kuh, die hier mit rund 10 000 Litern pro Jahr und Kuh liegt, für gut. Denn eine Kühe, auch wenn sie eine hohe Milchleistung erbringt, frisst dennoch nur für eine und hinterlässt auch nur Gülle für eine Kuh.