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Die Grenzen der Grafik gesprengt

14.04.2010 | 16:00 Uhr
Die Grenzen der Grafik gesprengt

Emmerich.Leo Ewals hat ein Buch, das einfach nur „Werk“ heißt, über den niederländischen Künstler Wim Zurné herausgegeben. Linus Kramer hat es gestaltet.

Die Grafik hat im 20. Jahrhundert als selbstständige Kunstform zu einem Höhenflug angesetzt. Galerien und Künstler haben von dieser Entwicklung profitiert. Auch Wim Zurné. Aber der Niederländer liefert keine eingängige Massenware, er ist kein gewöhnlicher kommerzieller Künstler.

Was das Oeuvre des 56-Jährigen in technischer Hinsicht besonders interessant macht, ist die Experimentierfreude, deren Resultate in viele überraschende Effekte münden. Ob bei seinen Landschaften, seinen großen abstrakten Arbeiten oder seinen Menschen- und Tiermotiven.

Male ich Männer, sehen
sie aus wie Frauen

Ihn auf den Grafiker zu reduzieren, würde ihm längst nicht mehr gerecht. Er sprengt die Grenzen. So modelliert er Globusse – mit seiner persönlichen Sicht auf die Welt. Und was macht diese einzigartig, bedeutsam? „Das Leben“, sagt Zurné, „die normalen Sachen“. Die, schön wie rätselhaft, gilt es zu entdecken. Die Elster, die es ihm besonders angetan hat, den Fuchs, das Rotkehlchen. Oder die Mädchen: „Ich bin ein Mann, deshalb male ich Frauen. Wenn ich Männer male, sehen sie aus wie Frauen.“

Wie wird man Wim Zurné? Davon hatte der junge Mann aus Bemmel keinen blassen Schimmer, als ihm im Jugendzentrum „Stokvishal“ in Arnheim die Aufgabe zufiel, Pressetexte zu schreiben und Flyer und Poster zu gestalten.

Die Plakate mit Film-, Kabarett-, Zirkus- und Konzertankündigungen waren „für mich noch keine Kunst, aber damit fing’s an“, erinnert sich Zurné. Erst einige Jahrzehnte später – er hatte längst die Arnheimer Kunstakademie besucht – sollte sich Zurné, inzwischen ein international gefragter Künstler, wieder an seine „Jugendsünden“ erinnern und Plakate kreieren, doch jetzt nur noch für seine eigenen Ausstellungen. Auch bei den Siebdrucken legte er eine längere schöpferische Pause ein, ehe er sich ihnen um 2000 wieder zuwandte.

Ein wunderbares Buch

Was dagegen über Jahrzehnte anhält ist die Freundschaft zu dem Emmericher Galeristen Herbert Kappelhoff. Er ist ein wichtiger Agent für Zurnés Kunst auf dem deutschen Markt. Im Sitzungssaal des Emmericher Amtsgerichtes hängen seit langem zwei großformatige Arbeiten Zurnés, der in Nimwegen zuhause ist. Justizgebäude und die Kappelhoffsche Galerie waren Schauplätze vielbeachteter Ausstellungen.

Nun ist ein wunderbares Buch über Wim Zurné in niederländischer Sprache erschienen. Es heißt einfach nur „Werk“. Verfasst wurde es von dem Zurné-Kenner Leo Ewals. Erwähnen muss man unbedingt auch Linus Kramer, der das Buch mit souveräner Handschrift gestaltete. Das knapp 200 Seiten starke Bild-Text-Buch ist in einer Auflage von 600 Exemplaren im Verlag „de Weideblik“ in Varik erschienen und auch in der Galerie Kappelhoff, Steinstraße, erhältlich. Es kostet 35 Euro, plus Grafik 85 Euro.

Norbert Kohnen

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