Die fantastischen Zehn zeigen eine bühnenreife „Mordslust“

Da liegt der Professor regungslos auf den Brettern. Die „Fanta 10“ müssen einiges aufarbeiten.
Da liegt der Professor regungslos auf den Brettern. Die „Fanta 10“ müssen einiges aufarbeiten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die inklusive Theatergruppe „Fanta 10“ bringt ihr drittes Stück auf die Bühne. Unter Regie von Judith Hoymann läuft „Mordslust“ am 25. April im Stadttheater Emmerich.

Emmerich.. „Wo ist nur die schwarze Tasche?“ Judith Hoymann blickt leicht angespannt hinter dem riesenhaften Leinentuch hervor. Das trennt die Bühne seitlich von der provisorischen Umkleide-Ecke aus Stühlen. Ohne Tascheninhalt würde es nichts werden mit der Probe auf den dunkelbraunen Brettern des Stadttheaters. Doch die an diesem Abend zu acht (Laien-)Schauspielern übende „Fanta 10“ lässt ihre Regisseurin nicht hängen.

Der Teamgeist soll die fantastischen Zehn, eine aus Menschen mit und ohne Behinderung gebildete Theater-Gruppe, auch am 25. April tragen. An diesem Samstag nämlich wird an gleicher Stelle um 19 Uhr das Theaterstück „Mordslust“ uraufgeführt.

Das Adjektiv am Ende des Satzes ist in diesem Fall wahrlich nicht übertrieben. Seit dem Mai 2014 haben die zehn Protagonisten die Inszenierung aus eigenem Antrieb heraus entwickelt. Das Geschehen aus Ideen, Improvisation und schlichtem Ausprobieren ist ein Unikat. Regisseurin Judith Hoymann schrieb aus dem Mix letztlich das Drehbuch. Die Theaterpädagogin leitet nicht nur mit Sandra Heinzel das TIK-Marionettentheater im Schlösschen Borghees. Sie rief auch das Fanta-Projekt mit der Lebenshilfe Unterer Niederrhein im Januar 2012 ins Leben. Aus einem Schnupperseminar heraus entwickelte sich eine kunstvolle Art der Inklusion.

Das aktuelle Stück ist kriminell. Der honorige Professor Doktor Doktor Snuggels wird an seinem 60. Geburtstag bei der eigenen Party zwischen güldenen Tassen und Tellern ermordet aufgefunden. Wer hat sich nur diese abscheuliche Tat erlaubt? Oder war der Professor etwa doch nicht so ehrenwert, wie alle geglaubt haben?

Die Inklusion ernst nehmen

Nein, mehr wird nicht verraten. Ursprungsideengeber Rene te Bay, der bei allen bisherigen Fanta-Stücken mitgewirbelt hat, grinst verschwiegen. Theater-Debütantin Anna Katarina Sonntag wippt geheimnisvoll ihren Schopf hin und her. Judith Hoymann beißt die Zähne auf die Unterlippe. „Es wird spannend und lustig zugleich“, sagt Thorsten Overgoor, der den Professor spielt.

Doch genug geplaudert. Jetzt wird gearbeitet. Damit das knapp einstündige Stück auch fehlerfrei und unterhaltsam über die Rampe geht. Das Stadttheater ist nicht gerade klein. Auch Zuschauer in der letzten Reihe wollen was hören. Also: Laut und deutlich sprechen! Vor dem Applaus steht der Schweiß. Judith Hoymann nimmt auch hier die Inklusion ernst, sagt schmunzelnd: „Wer seinen Text nicht kann, wird von mir auch schon mal getriezt. Da mache ich keine Unterschiede.“

Doch das Lernen der Mono- und Dialoge fällt den Protagonisten nicht allzu schwer. „Wir haben das Stück gemeinsam entwickelt, da identifiziert man sich schon sehr mit der Handlung“, hebt Ulrich Röth hervor. Manch ein Mitspieler ist sogar mit gleich drei Rollen vertreten. Eine Herausforderung, die auch Werner Esser begeistert. „Es ist schlicht ein tolles Projekt, das wir, so gut es geht, unterstützen“, sagt der Leiter der Lebenshilfe Unterer Niederrhein. Theaterpädagogin Hoymann pflichtet dem Reeser aus Erfahrung bei: „Inklusion vermehrt das Glück!“ Am 25. April sollen das auch die Theater-Besucher spüren.

Übrigens: In der schwarzen Tasche waren Polizisten-Requisiten. „Ohne die können wir nicht proben“, hob Judith Hoymann hervor.

TICKETS KOSTEN NUR VIER EURO

Zum dritten Mal stehen die fantastischen Zehn auf der Theaterbühne. Im Oktober 2012 hieß es „Liebe, verrückte Typen und andere Hindernisse“, im November 2013 ging es in „Das Leben ist (k)ein Wunschkonzert“ ins Wartezimmer Gottes. Was Anja Speh am Klavier live begleitete.

Eintrittskarten für die Krimikomödie „Mordshunger“ am Samstag, 25. April, um 19 Uhr im Stadttheater, Grollscher Weg 6, gibt es zum kleinen Preis von nur vier Euro. Und zwar: unter 02822/975840 und 0162/860612 oder per Mail an info@tik-emmerich.de.