Der mobile Alte aus Emmerich

Dr. Wilhelm Pfirrmann mit seinen selbstentwickelten Fahrradumbauten (kombinierter Hand- und Fußantrieb) auf der Rheinpromenade in Emmerich.
Dr. Wilhelm Pfirrmann mit seinen selbstentwickelten Fahrradumbauten (kombinierter Hand- und Fußantrieb) auf der Rheinpromenade in Emmerich.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit Schwung bewegt sich Dr. Wilhelm Pfirrmann (82) ins neue Jahr. Fit hält er sich mit morgendlichem Fitness-Programm, Tennis – und viel Kopfarbeit.

Emmerich..  Der Cappuccino im Restaurant Onder de Poort ist mittlerweile kalt, der vor Dr. Wilhelm Pfirrmann auf dem Tisch steht. Fürs Trinken hat der 82-jährige Jurist einfach keine Zeit. Zu spannend ist das, was er erzählen will. Nicht nur von früher, von seinen Hilfstouren, etwa nach Mauretanien. Nein, der Mann ist auch heute noch absolut agil. Er konstruiert Fahrräder, spielt Tennis – obwohl er „Rücken hat“ –, geht noch, wenn auch mit Krückstock, regelmäßig jeden Montag zum Englisch-Unterricht in Kleve. „Bewegung, Bewegung, Bewegung“, lautet sein Credo. Seit je her.

Gerade noch in Silute gewesen

„Ufo“ nennt der Hobby-Tüftler eine seiner Fahrrad-Kreationen, die er immer wieder modifiziert, und mit der der frühere stellvertretende Stadtdirektor von Kleve immer noch durch seine Heimatstadt Emmerich tourt. Niedrig sitzt der kleine Mann in dem überdachten Vehikel, weil das bequemer ist, sagt der Bastler. „Mit den Händen rudern und den Beinen treten, so geht’s voran“, grinst er verschmitzt.

Jurist, erzählt Dr. Pfirrmann, wollte er eigentlich nicht werden. Sondern Pilot. „Doch 1953 durfte man das in Deutschland noch nicht“, erinnert sich der „Mann der Praxis“, wie er sich selber sieht. Also studierte er Jura, arbeitete unter anderem im Bonner Ministerium für Familie und Jugend, kümmerte sich dort um internationale Jugendbegegnungen und -austausch.

Als Erster Beigeordneter in Kleve sei er für viele „ein bisschen zu liberal“ gewesen, lächelt Pfirrmann, sei dort auch oft angeeckt, „weil ich stets etwas für die Menschen bewegen wollte“.

Er selbst hat sich immer bewegt, auch in seinem sozialen Engagement. Hilfsaktionen für Afrika, Polen, die Ukraine. Fast immer an seiner Seite: Nicht nur der Kreisgeschäftsführer des DRK, Franz Lück, und Herbert Trüpschuch, sondern auch Kleves Ehrenbürger Fritz Leinung, den er auch heute noch regelmäßig besucht. „Helfen liegt mit einfach im Blut“, sagt der Vater von drei Kindern. Auch noch mit 82 Jahren. Erst vor drei Monaten war er mit dem Lkw 2000 Kilometer unterwegs nach Silute in Litauen. „Nicht das letzte Mal“, so Pfirrmann kichernd, der jeden Morgen ein 45-minütiges Muskel-Training absolviert.

Seine Ehrenämter hat er mittlerweile dran gegeben, etwa im Kirchenvorstand, bei den Rotariern und beim Verein Home Emmerich, der sich um Kinder in Indien kümmert. „Immer neugierig sein“, lautet Pfirrmanns Devise, „und sich stets für andere einsetzen“. Das habe ihn fit gehalten.

Wobei Pfirrmann, der sich selbst eine Krücke mit Rolle gebaut hat, auch nach vorne schaut. Aus seinem mehrstöckigen Haus will er nämlich „nur raus, wenn man mich zwingt“. Damit das für ihn und Ehefrau Heidi noch lange nicht der Fall ist, tüftelt er gerade an einem Aufzug für die Wendeltreppe, der ihn in die erste Etage befördert. „Nicht ein Treppenlifter, wie man ihn kennt“, sagt er gleich. Der sei außerdem zu teuer. „Ich will per Winde die Treppe hochgleiten“, erklärt er seine Erfindung. Wie gesagt: Sie ist noch in der Entwicklung.

Stress macht sich der Pensionär jedenfalls keinen mehr, auch nicht als Jurist. Manchmal springe er zwar noch als Berater ein, sonst verbringe er aber einen „produktiven Ruhestand ohne ärgerliche Zwänge“, wie er es nennt.

Einrosten, auch körperlich, will er jedenfalls auch weiterhin nicht. Dazu passt das Buch, das ihm seine Frau jüngst geschenkt hat. Der Titel: „Senioren gehören in die Mucki-Bude!“ Lesen kann er das Buch auf seinem Balkon – entspannt, mit Blick auf den Rhein. Und Ehefrau Heidi an seiner Seite.