Der Gesang der Kantoren

Emmerich..  Cantores cantant (Kantoren singen) lautete das Thema des Konzertes in der Christuskirche. Doch im Programm waren auch Beiträge für die Peter-Orgel vorgesehen. Erfreulich, denn so erhielt die gut einstündige Veranstaltung einen abwechslungsreichen Touch. Kantoren des Kirchenkreises Wesel präsentierten ein festliches Konzert mit Werken von Palestrina bis Stockmeier.

Hoher Anspruch

Im gut besetzten Kirchenraum hörte man interessiert den kleinen, aber ausgezeichneten Klangkörper, der von mehreren Kirchenmusikern abwechselnd geleitet wurde. Torsten Mühlenberg, Ansgar Schlei und Birgit Dickmann spielten Orgel. Als neue Möglichkeit einer Gottesdienstform hatten die Kantoren Elemente des anglikanischen Evensongs übernommen, ein gemeinsames Abendgebet in der anglikanischen Kirche. Nach dem guten Erfolg dieses Gottesdienstes beschloss man eine Wiederholung.

Mit dem „Sicut cervus (Wie ein Hirsch schreit nach frischem Was-ser) aus dem Psalm 42 von Palestrina bekamen die Zuhörer einen ersten Vorgeschmack von einem wohl dosierten Chorklang, der trotz der kleinen Gruppe eine gute Abstimmung zwischen Männer- und Frauenstimmen erkennen ließ. Lediglich vereinzelt dominierten die Sopranstimmen in den höheren Tonlagen mitunter etwa zu sehr. (Gottfried August Homilius: Wir liegen vor dir mit unserm Gebet).

Zwei Vorträge verdienen eine be-sondere Erwähnung. Torsten Müh-lenberg, Kantor der Christuskirche, spielte auf der Peter-Orgel sein Opus „Toccata, Choral und Intermezzo über „In dich hab ich gehoffet, Herr’“ und „Wir danken dir, Herr Jesu Christ“. Die drei Teile waren in der Struktur gut zu verfol-gen. Interessant dabei auch die un-terschiedliche Registrierung bei den drei Choralabschnitten.

Ein anderes Werk verdient eben-falls besondere Beachtung: Wolfgang Stockmeier, „Vater unser“; man hörte es im Rahmen der Bearbeitungen über den Choral „Va-ter unser im Himmelreich“. Der Klassiker neuzeitlicher Kirchenmusik hat hier ein Werk geschrieben, das einen Chor vor höchste Ansprüche stellt. Die Kantoren in der Christuskirche wurden dieser Anforderung gerecht und meisterten die Collage von Flüstern, Murmeln und strahlenförmigen Schlussklängen beeindruckend. Wer Stockmeiers Intention verstehen will, muss sich auf die drei Teile des Vater unser beziehen, die sich auf die Anrufung Gottes, den Bitten und dem Lobpreis Gottes konzentrieren. Mit zwei Fugen von Josef Gabriel Rheinberger bewies auch Birgit Dickmann ihre Kompetenz auf der Orgel. Die gut hörbaren Einsätze ließen eine geschickte Registrierung erkennen.