Der Doc und sein Keramik-Knie

Dr. Roland Hilgenpahl (Willibrord-Spital Emmerich) mit Knieimplantat aus Keramik
Dr. Roland Hilgenpahl (Willibrord-Spital Emmerich) mit Knieimplantat aus Keramik
Foto: NRZ
Dr. Roland Hilgenpahl hat in Emmerich als erster Arzt in Deutschland Kniegelenke aus dem nichtmetallischen Werkstoff implantiert, der auch für Allergiker gut verträglich ist.

Emmerich..  Margret Planken (61) piesackten höllische Schmerzen im Knie. Vor allem das Treppensteigen war für die Alpenerin die reinste Tortur. Doch nach der OP geht’s nun aufwärts für sie. Da sie zu der Personengruppe zählt, die auf Metall, Nickel, Chrom oder Titan allergisch reagiert, hat ihr Dr. Roland Hilgenpahl, Chefarzt der Allgemeinen Orthopädie am Willibrord-Spital und Leiter des Endoprothetik-Zentrums, eine Knieprothese aus Keramik eingesetzt. Die Patientin hat den einstündigen Eingriff gut überstanden und kommt zu Hause langsam wieder auf die Beine. Schätzungen zu Folge leiden in Deutschland etwa 15 Prozent der Patienten unter einer Kontaktallergie gegen Metalle.

Dr. Hilgenpahl (57) hat sich zwei Jahre intensiv vorbereitet auf sein Keramik-Abenteuer, hat eine Menge Erfahrungen und Wissen gesammelt, ehe er sich daran machte, Kniegelenke aus Keramik zu implantieren. „Ich bin der erste Anwender in Deutschland nach der Markteinführung“, sagt er. Das liegt auch daran, weil die Herstellerfirma seit längerer Zeit mit dem Emmericher Krankenhaus zusammenarbeitet. Eine Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Hennig am Uniklinikum Erlangen hatte zuvor mit Werkstoffwissenschaftlern jene Keramik entwickelt, die zur Herstellung der bruchsicheren Endoprothese geeignet ist.

Extrem hart und glatt

Bereits vier Knie aus dem nichtmetallischen, extrem harten Werkstoff hat der gebürtige Duisburger, der seit rund 30 Jahren in der Emmericher Orthopädie-Abteilung in der Rheinstadt tätig ist und dort 2009 zum Chefarzt aufstieg bereits eingesetzt. „Zwei weitere Operationen sind geplant“, kündigt Hilgenpahl an. Es hat sich inzwischen halt herumgesprochen, welche innovative medizinische Koryphäe sich da in der niederrheinischen Provinz tummelt.

Einen zusätzlichen Bekanntheitsschub dürften „Mr. Keramik-Knie“ und das Emmericher Krankenhaus in dieser Woche durch einen Beitrag im WDR-Lokalfernsehen Duisburg erfahren haben. Dr. Hilgenpahl hielt an der Hochschule Rhein-Waal im Rahmen des Studium Generale auch schon einen Vortrag zum Thema „Vom Elfenbeingelenk zum Keramik-Knie“.

Das Besondere bei dem Keramik-Implantat ist seine glatte Oberfläche: „Dadurch ist der Abrieb zwischen der extrem glatten Oberfläche der Prothese und der Kunststoffscheibe, die als Puffer zwischen dem Ober- und Unterschenkelteil der Prothese liegt, deutlich geringer als bei Metall“, klärt Hilgenpahl auf. Das hat zur Folge, dass sich keine Ablagerungen bilden können und das Material keine chemischen Reaktionen im Körper auslöst – und somit auch keine Abwehrreaktionen bei Patienten mit Metallallergien.

Wie lange die Keramik-Knie durchhalten und ob sie den gängigen Metalllegierungen wirklich überlegen sind, das müssen sie erst noch beweisen. Der konventionellen Metallversion wird eine Haltbarkeitsdauer von zehn bis 15 Jahren attestiert, aber auch 20 oder 25 Jahre sind keine Seltenheit. Dr. Hilgenpahl: „Das Keramik-Knie hält hoffentlich ewig.“

Die Funktion des zerstörten Gelenkknorpels übernimmt beim künstlichen Gelenk eine Kunststoffscheibe aus Polyethylen. Ihre Oberfläche wird durch Beanspruchung und Bewegung mit der Zeit durch die Oberfläche des Metalls abgerieben. Winzige Teile des Polyethylens können dann im Körper in der Umgebung der Prothese abgelagert werden und sogar den das Implantat umgebenden Knochen zerstören. Folge: Schmerzen und neue OP.