Der Angeklagte sah am Ende nur noch Kinderfilme

Amtsgerichtsrichterin Dr. Christiane Schmitz verhängte 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit.
Amtsgerichtsrichterin Dr. Christiane Schmitz verhängte 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
60 Stunden gemeinnützige Arbeit und sechs Gesprächsrunden bei der Drogenberatung muss ein Emmericher ableisten, der alkoholisiert und aus Eifersucht bei seiner Ex-Freundin randaliert hatte.

Emmerich..  Eifersucht ist von jeher eine menschliche Triebfeder für Gewalt. Ein weiteres Kapitel dazu wurde am 5. Oktober 2014 an der ‘s-Heerenberger Straße geschrieben. Für einen Einbruch unter starkem Alkoholeinfluss in die Wohnung seiner (Ex-)Freundin plus heftiger Prügelei mit deren Bruder wurde ein 27-jähriger Emmerich am Montagmittag von Amtsgerichtsrichterin Dr. Christiane Schmitz zu 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit plus sechs Gesprächsrunden bei der Drogenberatung verurteilt.

Der Angeklagte hatte in jener Nacht vor knapp fünf Monaten vermutet, seine Freundin würde sich in ihrer Wohnung mit einem fremdem Mann treffen. Er trank sich Mut an. „Zwei bis drei Bier und zwei Jägermeister“, gab er zu. Die Polizei taxierte später den Rauschpegel auf 1,5 Promille. Gegen 3.15 Uhr an jenem Sonntag in der Frühe stand der Emmericher vor der Wohnung, machte erst verbalen Krawall, zerdonnerte dann eine Fensterscheibe. „Da habe ich ein Fahrrad reingeworfen, voll peinlich!“ Nach dem Einstieg rannte er sogleich in die Arme des Bruders seiner Freundin. Mit schmerzhaften Folgen. Die offenbar ungleiche Schlägerei bezahlte der Angeklagte mit einer Gehirnerschütterung.

„Ich bin ins Krankenhaus gefahren worden, habe danach dann zehn Tage bei meiner Mutter auf der Couch liegen müssen. Es war aber nicht so, dass ich den Bruder meiner Freundin mit einem Holzgegenstand angegriffen hätte“, versicherte der Angeklagte mit Blick auf den schriftlichen Vorwurf.

Die Eifersuchtsproblematik ging indes von der Freundin aus, wie der Emmericher versicherte. „Ich durfte kein Internet mehr benutzen, kein Fernsehen mehr schauen, keine Frau mehr anblicken, nicht mal mehr meine Halbschwester besuchen. Es gab am Ende nur noch Kinderfilme. Das hat mich ganz schön frustriert.“

Zwischenzeitlich wurde die Freundin von einem Betreuer psychologisch unterstützt. Dennoch kam es zur Trennung vom Angeklagten. Der danach Alkoholpro-bleme hatte. Und in dieser Phase auch seinen Führerschein quitt wurde. „Dabei wollte ich mich selbstständig machen, hatte für ein Recycling-Unternehmen mit Schrott schon eine kleine Scheune in Elten auserkoren.“ Ohne Auto war das aber nicht machbar. Aktuell arbeitet der Ausbildungsabbrecher und Hartz-4-Empfänger gelegentlich bei einem Freund mit.

„Bei mir kommt alles wieder hoch“

Seine Ex-Freundin hielt sich gestern als Zeugin vor Gericht zurück. „Er hat eben gedacht, mein Bruder sei ein Freund von mir. Ich bin froh, wenn der Fall abgeschlossen ist. Ich habe Probleme. Bei mir kommt alles wieder hoch, wenn ich über die Nacht rede.“

Ihr Bruder war gestern trotz Ladung nicht vor Gericht erschienen. Mit Zustimmung des Staatsanwaltes stellte Richterin Schmitz das Verfahren ein. Vorläufig. Ihr Hinweis: „Wenn Sie mir Drogenberatung und Arbeitsstunden nicht binnen vier Monaten nachweisen, dann sehen wir uns hier wieder.“