Den Opa auf die Leinwand gebannt

Großer Andrang herrschte bei der Ausstellungseröffnung im Reeser Rathaus.
Großer Andrang herrschte bei der Ausstellungseröffnung im Reeser Rathaus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Viele Gymnasiasten haben die Berufswelt ihrer Großeltern oder von nahen Verwandten dargestellt und diese porträtiert. Die Bilder sind jetzt im Reeser Rathaus zu sehen

Rees..  Kulturamtsleiter Ludger Beltermann kann sich nicht erinnern, so viele Besucher zu einer Ausstellungseröffnung im Rathaus jemals begrüßt zu haben, wie jetzt zu der Präsentation von Kunstwerken der Oberstufenschüler des Gymnasiums Aspel zum Thema „Berufswelten“.

Johannes Frücht steht vor dem Bild seines Enkels Dominic Schmalz. Er ist der 76-Jährige , den man auf der Collage sieht. Und jeder, der gerade an dem Bild vorbeikommt, erkennt das Original sofort. Dominic Schmalz hat die Berufswelt seines Opas festgehalten, der über Jahrzehnte als Maurer gearbeitet und seinen Beruf geliebt hat. Dass ihn eines Tages auf einer Baustelle eine Eisenstange sein Gesicht durchbohrt hatte, tat der Freude am Handwerk keinen Abbruch. Selbst dieser Arbeitsunfall wurde von Dominic eindrucksvoll eingearbeitet. Was noch besser ist: Der Gymnasiast hat die beliebten Sprüche seines Opas, der Platt spricht, ebenfalls in seine Collage aufgenommen.

Die Kunstpädagogin Sarina Berndt stellte ihren Schülern folgende Aufgabe. Sie sollten sich derart mit der Berufswelt auseinandersetzen, dass sie zuerst eine Person fotografieren und diese dann zum Beruf befragen. Die Fotos dienten als Vorlage zur Porträtmalerei. Diese zu erlernen, gehört ebenfalls zum Lehrstoff. Und da hängt nun bildlich Konditormeister Ludger Rösen, bestens zu erkennen, neben Malermeister Tenbrink. Apothekerin Kirsten Moser ist umgeben von Tiegeln, während Betriebswirt Michael Kemkes eine unheimliche Ähnlichkeit mit Fürst Albert von Monaco hat. Wunderbar getroffen ist Kaninchenzüchter Helmut Görtzen, den Nachbarsjunge Carsten Lichter porträtiert hat.

Große Beachtung findet das Werk von Marie-Theres Bußhaus, die die Schneiderin Maria Heynen skizzierte und Haute Couture en miniatur einarbeitete. Einen Blick in die Historie gewährt Eric Schneidereit, der die 76-jährige Korsettmacherin Annelies Schneidereit vorstellt. Dies mit einem Zeugnis-Ausschnitt, einem Scherenschnitt der Werkstatt, Schnittmustern und alten Fotos.

Talente entdeckt

Die Liste der hervorragenden Arbeiten ließe sich unendlich fortsetzen. „Die Schüler haben möglichst viele Informationen zum Beruf, aber auch positive und negative Aspekte des Berufsalltages oder Anekdoten gesammelt“, erläuterte Sarina Berndt. Entweder haben die Schüler eine Person als Berufsporträt mit Acrylfarben auf Leinwand gebannt. Oder eine Mixed-Media-Arbeit erstellt. Also Malerei, Zeichnung, Collage, Schriftgestaltung und Scherenschnitt kombiniert.

Ein Begleitheft liegt aus, in dem Wissenswertes zu den porträtierten Personen und deren Berufe festgehalten ist. Nicht nur Schulleiter Klaus Hegel ist sicher, dass unter den ausstellenden Schülern ganz große Talente schlummern.