Das sind Emmerichs neue Streitschlichter

Edmund Verbeet (v.l.) vereidigte Heinz-Günter Kantehm und Klaus-Werner Wagner. Manfred van Halteren gratulierte.
Edmund Verbeet (v.l.) vereidigte Heinz-Günter Kantehm und Klaus-Werner Wagner. Manfred van Halteren gratulierte.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Heinz-Günter Kantehm und Klaus-Werner Wagner besetzen in Emmerich vakante Schiedsamtsbezirke. Vor allem bei zivilrechtlichen Fällen sind sie gefragt.

Emmerich..  Nein, es muss wahrlich nicht jeder Nachbarschaftsstreit um eine zu ausladende Hecke oder über zu laute Musik vor Gericht landen. Denn oft lassen sich Fälle wie diese durch Gespräche im angemessenen Rahmen klären. Zwei Männer, deren Türen für solche Schlichtungen den Bürgern in der Emmericher City künftig offen stehen, haben sich jetzt bereit erklärt, Schiedspersonen beim Amtsgericht zu werden. Heinz-Günter Kantehm und Klaus-Werner Wagner besetzen zuletzt freie Schiedsbezirke (siehe unten).

Erfolgquote von 50 Prozent

Am Mittwoch wurden sie durch Amtsgerichtsdirektor Edmund Verbeet für fünf Jahre vereidigt, nachdem der Rat sie im Dezember gewählt hatte. Kantehm, verheiratet, zwei Kinder, ein Enkel, ist frisch gebackener Rentner: „Ich dachte mir, ganz mit der Arbeit aufzuhören und meiner Frau auf die Nerven zu gehen, das kann nicht gut sein“, so der 64-Jährige. Nach 50 Berufsjahren, zuletzt 27 Jahre in Bocholt, wo er Geschäftsführer von Haku Möbel war, möchte der gebürtige Lünener weiter gefordert werden.

Wagner, verheiratet, drei Kinder, war 42 Jahre Lehrer für Mathe, Wirtschaftswissenschaften, Katholische Religion, auch Geschichte und Erdkunde hat er gerne übernommen. Zuletzt unterrichtete er an der Europaschule. Er entdeckte die Aufgabe des Schiedsmannes in einem Zeitungsbericht für sich: „Ich habe etwas gesucht. Ich wollte nicht mehr unterrichten, aber etwas Soziales machen. Als Lehrer war ich oft auch Streitschlichter.“

Es ist vor allem die Lebenserfahrung, die für einen Schiedsmann wertvoll ist. „Es sind keine Minijuristen“, sagt auch Verbeet. Manfred van Halteren, Vorsitzender der Bezirksvereinigung Kleve des Bundes Deutscher Schiedsleute, ergänzt, dass es sogar gut sei, nicht zu großen juristischen Sachverstand zu haben: „Der Streit unter Nachbarn hat oft vielfältige Hintergründe. Der überhängende Baum ist nur der Anlass.“ „Wir sind sehr froh“, sagte Verbeet über diesen Lückenschluss durch die beiden Neulinge, die sich auch gegenseitig vertreten.

Die Schiedsleute in der Bezirksvereinigung Kleve haben eine Erfolgsquote von 50 Prozent. Es lohnt sich also, den neutralen Mediator anzurufen. „Wenn sich die Leute bei uns die Hand geben, dann ist auch Schluss“, so van Halteren. Die Streitparteien sparen sich bestenfalls teure Anwaltskosten und belasten die Gerichte nicht. Für die Schiedspersonen, die eine Aufwandsentschädigung bekommen, fallen 40 Euro pro Fall an. Auch Anwälte verweisen immer häufiger auf Schiedspersonen.

Aus dem Strafrecht kommen kleinere Delikte für die Schiedspersonen in Frage wie Hausfriedensbruch, Beleidigung oder kleinere Körperverletzungen. Ansonsten sind es vor allem die Zivilfälle. Und ganz besonders die Nachbarschaftsstreitereien, so Verbeet.

Kantehm und Wagner werden jetzt Seminare besuchen, um Grundlagen zu erlernen. Und dann werden sie etwa acht bis zwölf Fälle im Jahr behandeln, schätzt van Halteren. Weitere 15 bis 20 Fälle sogar „zwischen Tür und Angel“.

Für die „Südstaaten“ ist Alfred Verhey zuständig. In Elten ist Klaus Verwerich der Ansprechpartner. Schiedsmann für Hüthum ist Gregor Reintjes.

Seit Frühjahr 2014 waren die beiden Innenstadtbezirke vakant. Heinz-Günter Kantehm übernimmt Bezirk I, Klaus-Werner Wagner Bezirk II.