Das Emmericher Far Out schrieb Club-Geschichte

Das Konzert der H-Blockx in den 90ern war einer der absoluten Höhepunkte der Club-Geschichte.
Das Konzert der H-Blockx in den 90ern war einer der absoluten Höhepunkte der Club-Geschichte.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Revival-Party am 30. April im PAN Bistro. Die NRZ blickt zurück auf die ehemalige Discothek.

Emmerich..  Das waren noch Zeiten. Als es in Emmerich noch das Far Out gab! Es sind nicht wenige Emmericher, die noch heute ein Funkeln in den Augen offenbaren, wenn sie an den damaligen Club denken. Am Donnerstag, 30. April, ab 22 Uhr können die Erinnerungen wieder mit Leben gefüllt werden. Denn dann findet im PAN Bistro die Far Out-Revival Party statt.

Das ist Grund genug, um in Erinnerungen zu schwelgen. Es waren der inzwischen verstorbene Wolfgang Könighaus, dessen Söhne Robin und Marc sowie deren Kumpel Dirk Peters, die einst die Idee für einen Club in Emmerich hatten. An der ‘s-Heerenberger Straße 174 (siehe Bild), praktisch mitten im Wohngebiet, fing es im Jahr 1990 „ganz klein und familiär“ an, erklärt Marc Könighaus. Bis zu 450 Gäste am Abend schauten vorbei. Bei etwa 300 Besuchern zugleich platzte das Far Out aus allen Nähten.

Die Stadt Emmerich zog schließlich die wohl etwas zu leichtfertig vergebene Konzession wieder zurück. Der Nachbarschaft war der Trubel nicht zuzumuten. Es gründete sich sogar eine Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzen wollte, dass es schnell zur Neueröffnung an anderer Stelle kommen sollte. „Man nahm ihnen ihr zweites Zuhause weg“, sagt heute ein schmunzelnder Robin Könighaus, der damals freitags Alternative und Rock auflegte.

Bei Leserumfrage bundesweit auf Platz 1

An der Tackenweide war die Lagerhalle Maas zu haben. Im Nachhinein gesteht Marc Könighaus ein: „Wir sind etwas größenwahnsinnig gewesen. Kleiner wäre stressfreier gewesen.“ Das Far Out war nun zwar keine Großraumdisco, aber längst nicht so klein wie davor. Der Laden zündete. Freitags beim Rockabend, der Musik jenseits der Charts bot, feierten im Schnitt 900 Gäste mit. Samstags – radiotauglicher Rock und Pop sowie Techno – etwa 600. In einer Leserumfrage des noch heute beliebten alternativen Musikmagazins Spex landete das Far Out bundesweit für ein Jahr auf Platz 1. Sensationell!

Tolle Abende haben nicht nur Emmericher im Far Out erlebt. „Es war der einzige Club, der auch Gäste aus Kleve und Goch über den Rhein zog“, sagt Robin Könighaus. Der wohl größte Höhepunkte war das Konzert der H-Blockx. Die deutsche Crossover-Band wurde kurz vor ihrem Durchbruch gebucht. Ein Glücksfall. Ein Abend, an den viele Emmericher gerne erinnern. Auch Escape With Romeo spielten live. Der Emmericher DJ Arnd Reichow verdiente sich hier erste Meriten. Inzwischen hat er unter dem Namen Drumcomplex weltweit Fans. Er war es auch, der – ganz im Zeitgeist – den Dancefloor-Techno auf die Plattenspieler brachte. Davor lief eher Trance, wenn es elektronisch wurde.

Warum war das Far Out so erfolgreich? „Es gab Spirit. Wir haben den Nerv der Zeit getroffen“, meint Marc Könighaus. Für Freunde alternativer Musik sei es der einzige Laden ohne schmuddeliges Ambiente weit und breit gewesen.

Krefelder Großstadt-Konzept zündete nicht

1995 wollte sich Vater Wolfgang zurückziehen und holte den Promoter der Krefelder Königsburg als Geschäftsführer ins Boot. Der „Großstädter“ und sein Team arbeiteten mit den Gründungsmitgliedern zusammen. Aber begingen einen fatalen Fehler: „Sie haben die Großstadtkonzepte nach Emmerich geholt. Ich habe damals schon gewarnt, dass das schief gehen könnte“, so Robin Könighaus. Ein paar Monate hat man das neue Konzept durchgezogen, dadurch aber viele Gäste verloren, so dass nur noch 300 Besucher freitags und samstags im Schnitt kamen.

Der neue Chef sah es ein. Der erneute Wandel brachte einen kleinen Aufschwung. Das Far Out konnte wieder auf 500 bis 600 Gäste am Abend kommen, was aber oft mit besonderen Events verknüpft werden musste. Dann überwarf sich Vermieter Maas mit dem Krefelder, so dass im Juni 1996 die Voodoo-Club-Party zum letzten Abend wurde. Ein Abschied mit wehenden Fahnen.