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Darum setzt die Logistik auf Zeitarbeit

20.03.2013 | 22:00 Uhr

Klein-Netterden.   Die BLG in Emmerich hat inzwischen 80 Kräfte fest angestellt und ist größter Kunde des Rhein-Waal-Terminals geworden.

Wer in Emmerich über Zeitarbeit schimpft, nennt nicht selten den Namen BLG. Die Personaldienstleister haben in den vergangenen Jahren oft Stellen bei der Bremer Lagerhaus Gesellschaft mit Sitz an der Budberger Straße vermitteln können. Auch im Zuge der Diskussion um eine mögliche Ansiedlung eines Logistikers an der Kaserne warnt manch ein Oppositionspolitiker gerne mit Bezug auf die Anfänge bei der BLG: „Vorsicht, Billigjobs!“

Abhängig von Großkunden

Den NRZ-Lesern legt die BLG dar, warum das Zurückgreifen auf Arbeitskräfte vom Personaldienstleister für das seit 2008 in Emmerich bestehende Unternehmen der richtige Weg war und ist. Das kleine Happy End schon mal vorweggenommen: 80 Mitarbeiter haben inzwischen eine Festanstellung bekommen.

2007 war der Konzern mit Sitz in Bremen auf der Suche nach einem 80 000 Quadratmeter großen Standort am Rhein; und zwar mit Hafenanbindung, schildert Arno Ziegler, der als Director Operations West für mehrere BLG-Standorte zuständig ist. In Emmerich stimmte alles, so dass man sich unweit des Kreisverkehrs am Emmericher Eimer ansiedelte: „Wir hatten 200 Arbeitsplätze suggeriert. Und das haben wir auch eingehalten“, so Ziegler. Inzwischen sind bis zu 350 Menschen bei dem Logistiker tätig, der in erster Linie für den Nachbarn Konika Minolta sowie für Adidas/Reebok Handelslogistik betreibt. Die Angestellten in der Verwaltung etc. mal außen vor gelassen: Rund 200 operative Kräfte seien in der achtteiligen Lagerhalle tätig, davon eben 80 inzwischen fest angestellt. „Keiner verdient hier unter 8,20 Euro die Stunde“, versichert Ziegler. Und dies gelte für die Einsteiger; im Laufe der Zeit steigere sich der Lohn. Hier halte sich die BLG an die Tarifvereinbarungen.

Warum kommt die Branche an der Zeitarbeit nicht vorbei? „Wir sind von unseren Kunden abhängig“, schildert Ziegler. Laufe der Handel, vor allem der Online-Handel, der Vertragspartner gut, hat auch die BLG viel zu tun. Dies bleibe aber bis zu einem gewissen Grad unkalkulierbar, die BLG müsse flexibel handeln können. Da der Online-Handel seit 2008 kontinuierlich steigt, läuft es auch für die BLG gut. Und das drücke sich auch durch weitere feste Arbeitsverhältnisse aus.

Viele nutzten die zweite Chance

Das Wort „Leiharbeiter“ nimmt Ziegler nicht gerne in den Mund. Zu negativ belastet. Denn die BLG lege Wert darauf, dass alle Mitarbeiter, auch die vom Personaldienstleister, gleich behandelt und bei der Mitarbeiter-Mitbestimmung einbezogen würden. Langfristig sei durchaus geplant, weitere Arbeitsverhältnisse in feste Stellen umzuwandeln.

Ziegler möchte auch mal die positive Seite der Zeitarbeit beleuchten. Etliche Menschen hätten bei der BLG eine Chance bekommen, die woanders auf dem Arbeitsmarkt womöglich außen vor geblieben wären. Die 80 Festeinstellungen seien entstanden für Mitarbeiter, die sich in der Zeitarbeit bewährt hätten. Viele davon seien über 50. Andere hatten in der Schule zunächst versagt und dann in der Praxis ihre zweite Chance genutzt.

Im Nettpark sind noch 100 000 Quadratmeter frei: Wäre eine Erweiterung der BLG denkbar? „Im Moment eher nicht. Aber in der Kontrakt-Logistik kann das ganz schnell gehen“, erinnert Ziegler. Sprich: Wenn Großkunden wie Ikea oder Tchibo sich dafür entscheiden, ihre Handelslogistik über die BLG abzuwickeln, dann sind das in der Regel Dimensionen, die neue Hallen erforderlich machen.

Ausbildungsplätze frei

Die BLG ist der größte Kunde des Hafens in Emmerch. Foto: Schuster

Der Erfolg der BLG erfreut ein anderes Emmericher Unternehmen sehr: das Rhein Waal-Terminal (RWT). „99 Prozent unserer Lieferungen wickeln wir über den Hafen ab“, verrät Ziegler. Täglich gehen 30 bis 40 Container (40 Fuß groß) dort auf den Rhein. Damit trug die BLG sehr zum Wachstum des Hafens in den vergangenen Jahren bei: „Das ist unstrittig. Die BLG ist unser größter Kunde“, sagt RWT-Geschäftsführer Michael Mies.

Für Konica Minolta bewegt die BLG täglich zwischen 20 000 und 30 000 Pakete. Sieben der acht Hallenbereiche an der Budberger Straße sind für den japanischen Nachbarn vorgehalten. In der achten Halle wird’s deutlich kleinteiliger. Hier stehen riesige Regale für Adidas und Reebok. Die BLG versendet täglich 7000 bis 8000 Pakete für die Sportwarenhersteller.

Die BLG bildet auch aus. Wer sich zur Fachkraft für Lagerlogistik ausbilden lassen will, sollte sich unter 02822/9155101 bei Sven Künnemann informieren. „Die Übernahmechancen sind gut“, sagt Arno Ziegler.

Marco Virgillito

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Darum setzt die Logistik auf Zeitarbeit
Darum setzt die Logistik auf Zeitarbeit
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2013-03-20 22:00
Emmerich