Dany Bobers Auftritt in Rees berührte

Dandy Bober schaffte es, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.
Dandy Bober schaffte es, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Der Künstler, der in Israel zur Welt kam. unternahm im Pädagogischen Zentrum des Schulkomplexes am Westring eine musikalische Zeitreise durch die jüdische Geschichte und gab dabei einen Einblick in die Kultur der Juden und ihren Humor.

Rees..  Es gibt viele Arten, an die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Mit Film, Vortrag oder Fotodokumentationen. Einen anderen Weg geht in diesem Jahr die Stadt Rees. Am 28. Januar 1945 wurden die verbliebenen Überlebenden des Konzentrationslagers „Auschwitz“ befreit. Zu diesem Gedenktag hat die Stadt Rees einen ganz besonderen Gast in das PZ des Schulzentrums am Westring eingeladen. Den Wiesbadener Kleinkünstler Dany Bober.

Mit seiner Gitarre nimmt er die rund 150 Gäste mit auf eine musikalische Zeitreise durch die jüdische Geschichte. „Ich möchte einen Beitrag zum jüdisch-christlichen Dialog geben“, erläutert der Musiker, der 1948 in Israel geboren wurde, seine Ambitionen. Und dabei gibt er gleichzeitig einen Einblick in die Kultur der Juden. Menschen, die sich in den verschiedenen Jahrhunderten vor allem eins bewahrt haben, ihren Humor und ihre Lebensfreude. Aber auch das Leid, das ihnen unter den verschiedenen Herrschern und in den verschiedenen Orten widerfahren ist, erzählt er in den Balladen, Gedichten und Liedern.

Von den Anfängen

Er berichtet von den Anfängen des Judentums, das überall dort zu Hause ist, wo die Bundeslade mit den zehn Geboten geborgen ist, von König David und seiner Musik um 1000 „vor der Zeitrechnung“, wie Bober es ausdrückt. Er übernimmt die alten Texte über die goldene Stadt Jerusalems und gibt ihnen neue Melodien. Es ist das feine Gespür des Künstlers, das ergriffen macht. Bober schafft es, die heiteren, lustigen Lieder der Juden zur Zeit der Überwindung der syrischen Herrschaft um 164 v. Chr. mit der Rückeroberung des Tempels ebenso in sein Programm aufzunehmen wie die Vertreibungen und die Ghettoisierung in Europa schon im 13. Jahrhundert.

Doch zu dieser Zeit schaffen es die Juden in Europa noch, mit ihrer eigenen Kultur, ihrer Sprache, dem Jiddischen, eine Mischung aus Deutsch-Hebräisch und slawischen Ausdrücken, ihre Identität und Lebensfreude zu erhalten.

Beklemmend wird es, wenn Bober zu den jüngsten schicksalhaften Ereignissen kommt, dem Grund, weshalb er und die vielen Zuhörer, darunter auch Schüler des Gymnasiums Aspel, sich überhaupt an diesem Tag zusammengefunden haben – dem Zweiten Weltkrieg, seine Verbrechen und die Befreiung. Bober erhebt nicht den Zeigefinger, aber er stellt anhand der Musik dar, wie die Juden diese Zeit empfunden haben. Das Lied vom Moorsoldaten ist dabei neben dem Gedicht von „Zehn kleinen Meckerlein“ ein bewegendes Zeugnis dieser Zeit.

Bei all der ernsten Thematik vergisst Bober nicht den Humor. Frei nach dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: Humor ohne Gläubigkeit führt zu Zynismus, Gläubigkeit ohne Humor zu Engstirnigkeit. Sie gehören zusammen, auch für Dany Bober.