Claudia Roth nannte ihn „betörend schön“

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Rees/Berlin..  Carla Gottwein hat die Begeisterung von Claudia Roth hautnah gespürt, als die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Gottweins Bruder, Norvin Leineweber, jetzt in einer Feierstunde ehrte. Der aus Rees stammende Bildhauer hat in dieser Woche im Bundesbauministerium in Berlin einen ersten Preis für den Wettbewerb des Deutschen Bundestages „Kunst am Bau an der Wilhelmstraße 64“ verliehen bekommen. Ausgeschrieben war die künstlerische Gestaltung des Foyers und eines anschließenden Innenhofes eines Tagungsgebäudes für den Deutschen Bundestag. Das hieß früher einmal Hotel „Der Königshof“. In den 70er-Jahren waren hier die Botschaften verschiedener Staaten ansässig.

Im vergangenen Jahr war Norvin Leineweber zu diesem Wettbewerb eingeladen worden. „Lichtung“ nannte er seinen Entwurf, den er eingereicht hatte. Und tatsächlich: Er konnte sich damit gegen neun Mitbewerber durchsetzen. Klar, dass zur Preisverleihung die Familie aus Rees angereist war, aber auch Pater Georg Maria Roers saß im Publikum. Der Jesuit, der ebenfalls aus Rees stammt, ist Kultur- und Kunstbeauftragter der Erzdiözese Berlin und mit Norvin Leineweber befreundet. Er war bereits Kurator einer Ausstellung mit Werken Leinewebers in der Katholischen Akademie in Berlin.

Claudia Roth, die gleichzeitig Mitglied des Kunstbeirates des Deutschen Bundestages ist, hatte sich im Preisgericht für den Wettbewerb „Wilhelmstraße 64“ mit großem Nachdruck für den Entwurf Norvin Leinewebers ausgesprochen, den sie in ihrer Rede als „verstörend schön“ bezeichnete.

Das hatte auch das Preisgericht in seiner Beurteilung festgestellt: Der Entwurf besticht durch eine große Klarheit und Eleganz, die dem Eingangsbereich und Foyer tatsächlich ein besonderes „Licht“ verleiht. Bearbeitet werden der gesamte Boden und die Stirnwand.

Terrazzo und Marmorputz

Die farblich abgestimmten Materialien – Terrazzo für den Boden und Marmorputz für die Stirnwand – spiegeln das Licht auf ihren geschliffenen oder polierten Oberflächen. Die Stirnwand ist dabei als ein flächendeckendes Relief gearbeitet, das einen fließenden Flächenverlauf von konvex nach konkav zeigt. Allein das mit Marmorputz überzogene Türblatt bleibt eben und erscheint als plastisches Element in der Wand.

Die Arbeit, so die Jury, überzeuge in ihrer Konsequenz und Reduktion auf nur wenige Materialien und eine Farbigkeit. Es werde die Verbindung von Innen- und Außenraum als Qualität des Entwurfs gesehen. Dies werde durch ein in die Freifläche ragendes Kreissegment des Bodens erzielt. Besonders überzeugte die Jury, dass Leinewebers Entwurf den Raum nicht besetzt, sondern ihn öffnet – wie eine „Lichtung“. Norvin Leineweber erhält nun ein Budget für die Umsetzung, für die zwei Jahre angesetzt sind. Mit dem Budgetfür das Material wird auch das hochdotierte Preisgeld gezahlt.