Christuskirche Emmerich ist 300 Jahre alt

Gusti Music, hier mit Pfarrer Dr. Martin Neubauer (li.) gestaltet den Gottesdienst am Sonntagabend mit,
Gusti Music, hier mit Pfarrer Dr. Martin Neubauer (li.) gestaltet den Gottesdienst am Sonntagabend mit,
Foto: NRZ
Vor 300 Jahren wurde die reformierte Kirche am Geistmarkt eingeweiht. Der freistehende Bau an zentraler Stelle ist der Oosterkerk in Amsterdam nachempfunden .

Emmerich..  Das Jubiläum hatte keiner auf der Rechnung. Die Pfarrer nicht, die Presbyter nicht. Dabei hat es dieses „Geburtstagskind“ in sich: Vor 300 Jahren, Palmsonntag 1715, bekam die reformierte Gemeinde endlich ihr erstes eigenes Gotteshaus. Und was für eines: Einen zwar schmucklosen, aber in seinen Dimensionen beeindruckenden, kreuzförmigen Ziegelbau unter steilen Walmdächern und von einer achteckigen Laterne bekrönt. Damit war die Zeit der Provisorien endgültig vorbei.

Weiteres war ungewöhnlich an diesem Bau. Dass er freistehend errichtet wurde und sich nicht verstecken wollte und musste in einer Häuserzeile oder am Ortsrand wie anderswo am Niederrhein, sondern an exponierter, zentraler Stelle erbaut wurde.

Kirchen als Kriegsbeute

Die Anhänger des Doktors Martin Luther setzten mit dem repräsentativen Bau auf dem erhöht gelegenen Geistmarkt ein deutliches Ausrufezeichen. Sie wollte konkurrieren mit der katholischen Konkurrenz und deren beiden alten Kirchen St. Martini und St. Aldegundis, die sie in den Religionswirren den Katholiken für kurze Zeit als Kriegsbeute entreißen konnten, aber auf Geheiß Ludwigs XIV. wieder zurückgeben mussten.

Bemerkenswert war überdies, dass als Vorbild für die Predigtkirche keine Geringere als die Oosterkerk in Amsterdam diente. Dabei spielten die gewachsenen Kontakte Emmerichs zum niederländischen Raum und speziell zur prosperierenden Metropole an der Amstel eine Rolle. Die gemeinsame Sprache erleichterte die Zusammenarbeit. Die Architekten kamen aus Amsterdam. Sicher spielte auch eine Rolle, dass Emmerich vorübergehend von Niederländern besetzt und Sitz der Regierung des Herzogtums Kleve war.

Aber es war doch ein mühevoller und weiter Weg von der Grundsteinlegung 1690 bis zur Einweihung 25 Jahre später. Geldmangel hatte immer wieder zu Baustopps geführt. Die reformierte Gemeinde war mit 500 Kommunikanten klein, doch ihr Vorhaben groß. „Es war ungefähr so, als ob sich ein armer Schlucker einen Mercedes 600 anschafft“, so der pensionierte Pfarrer Martin Bauer. Dass der steinige Weg durchgehalten wurde, zeugte von viel Selbstbewusstsein und Gottvertrauen. Der preußische König tat sein Scherflein dazu und genehmigte eine Lotterie, außerdem fanden Kollektenreisen bis in die Niederlanden statt.

Das alles war vergessen, als am 14. April 1715 der Riesenbau seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Christuskirche heißt die Kirche erst seit 1958. Da war sie schon zweimal zerstört worden: beim Brand 1907 und im Zweiten Weltkrieg 1944. Aber immer wieder hat sich die Kirche berappelt. Zur Ausstattung gehören die Orgel von Willi Peter (Köln, 1962) mit 27 Registern und 1500 Pfeifen sowie seit 1994 die Farbfenster des litauischen Künstlers Eimutis Markunas.

Wo wohnt Gott wirklich?“ Darüber wird Pfarrer Dr. Martin Neubauer im Gottesdienst am Sonntag, 19. April, ab 18 Uhr in der Christuskirche berichten. Schon ab 17.30 Uhr zu hören: Stephan van Lier und Guido Meyer von Gusti Music. Special Guest: Carlotta Rennecke, junge und talentierte Sängerin.

Mit der Verortung Gottes ist Neubauer auch nah dran am 300-jährigen Jubiläum: „Gott wohnt in der Kirche, wenn die Menschen zusammenkommen.“