Bütten- oder Haushaltsrede?

Es war eine seltsame Woche in Emmerich im Spannungsfeld zwischen Haushaltsreden im Rat, dem Start der heißen Karnevalsphase an Altweiber sowie dem Mobbing-Verdacht im Rathaus. Ein Déjà-vu-Erlebnis: Im Vorjahr kamen pünktlich zu Altweiber die möglichen Missbrauchsvorwürfe in der Kirche aufs Tablett.

Es ist als Journalist nicht angenehm, über mögliche Mobbing-Vorwürfe zu schreiben, wenn man die beschuldigten Personen aus der alltäglichen Pressearbeit kennt und sich ja sonst gut versteht. Aber da ist der Reporter in der Pflicht. Ein Gerücht macht die Runde, dass der beschuldigte Jugendamtsleiter womöglich auf den Posten des Demografie-Beauftragten wechseln könnte. Das kann eigentlich nur dafür sprechen, dass die Vorwürfe entkräftet werden konnten – über das Ergebnis wird die Presse mit Verweis auf die Vertraulichkeit in Personalentscheidungen nicht informiert. Andernfalls wäre es schwer zu vermitteln, dass ein des Mobbings überführtem Amtsleiter ein anderer gewichtiger Posten zugeteilt wird. Üblicherweise werden Mitarbeiter nach solchen Vorfällen an unscheinbare Schreibtische gesetzt. Wenn die Vorwürfe denn stimmen . . .

Was war denn mit Sabine Siebers von den Grünen im Rat los? Sie legte dem Bürgermeister in der Haushaltsrede ein Zitat in den Mund, dass er nie gesagt hat (Die Bürger sollen länger das Licht anlassen, damit die Stadtwerke mehr einnehmen). Aber Johannes Diks nahm’s wohl gelassen, er hat im Rat darauf nicht reagiert. Schräg wirkte auch der Vorschlag der Grünen-Chefin, dass Hauseigentümer, die einen Abriss ihrer Immobilie beantragen, überzeugt werden sollten, diese zunächst zur Flüchtlingsaufnahme zu nutzen. Tolle Idee. Stand Siebers in der Bütt oder war’s eine Haushaltsrede? Die Hauseigentümer wären Feuer und Flamme. Und überhaupt (Vorsicht, Ironie!): Stoppt mal flott den Wemmer & Janssen-Abriss!