Bürgermeister Diks fuhr direkt doppelt mit
19.02.2012 | 17:45 Uhr 2012-02-19T17:45:00+0100
Emmerich. Der Tulpensonntagszug lockte 15 000 Narren auf die Straßen in der City.
Es ist 11.11 Uhr. Die Narrenkappe sitzt. Der Zug kann losrollen. Wenn Emmerichs Innenstadt Kopf steht, weil laute Musik ertönt, Kamelle durch die Lüfte fliegt und verkleidete Menschen durch die Straßen ziehen, dann kann nur das GECK-Komitee seine Finger im Spiel haben.
Traditionell trafen sich Marienkäfer, Cowboys, Wassernixen und andere bunte Kreaturen am Tulpensonntag, um gemeinsam den Straßenkarneval zu feiern. Stimmungsvolle Musik bot allerhand fürs Ohr, ideenreich gestaltete Karnevalswagen beglückten das Auge. Das Thema Politik kam dabei nicht zu kurz. „Rotkäppchen und der böse Wulff“ lautete das Motto eines Gefährts und machte damit auf den zurückgetretenen Bundespräsidenten aufmerksam. „Ein Grieche in der Sonne lag, Europa ihm (k)einen Euro gab“ stand auf einem weiteren Teil der langen karnevalistischen Karawane. Die Schlafmützen Empel präsentierten eine gebastelte Angela Merkel, die das Geld verschleuderte.
Gute Stimmung erfüllte das Herz Emmerichs und selbst ein kurzer Hagelschauer konnte nicht bremsen. Nicht nur Bonbons, Chips und Mausespeck, sondern auch Bälle, kleine Windräder und sogar Teddybären wurden geworfen. „Hamburg und Stockholm können sich eine Scheibe von Emmerich abscheiden, was Karneval angeht“, wusste Niklas van Alst (25) zu berichten, der in beiden Städten gewohnt hat. Der gebürtige Emmericher, der extra für den Tulpensonntagszug in seine Heimat zurückkehrte, hatte ordentlich Spaß. Direkt zweimal war Bürgermeister Johannes Diks auf dem Zug mit von der Partie. Bei den „Betuwe-Knackers“ der IG BISS stand er, bestehend aus Pappmaché, im Emmericher Eimer, durch den ein Zug rauschte. Lebendig jubelte er vom neu gebauten Prinzenwagen, dem glänzenden Schlusslicht der Karawane.
Vorne weg das Prinzenpaar im Eimer, die Garde hinten an auf der nachgebauten Rheinbrücke, ein echter Augenschmaus. „Ein toller Wagen“, fand auch Simon Bisseling. Seiner Mutter Irmgard Bisseling gefiel besonders, dass das Prinzenpaar so gute Laune verbreitet habe. „Ein wirklich gelungener Zug“, lautete ihr Resümee der karnevalistischen Darbietung. Dem stimmte auch die Polizei zu: keine Zwischenfälle.
18:30
Schade, dass sich während der Zuges entlang der Strecke vor allem einige junge Bürger nicht mehr unter Kontrolle hatten. Alkoholexzesse und Schlägereien gehören nicht zu einem fröhlichen Emmericher Stadtbild. Und ein Bürgermeister ohne Mütze sollte als Repräsentant der Stadt nicht auf dem Prinzenwagen mitfahren. Aber so kann man halt vom Prinzenpaarbonus profitieren. Seiner Partei wird es gefallen haben. Die Innenstadt war zum Schluss vermüllt und - während es am Bölt weiterging - schnell wieder leer und unansehnlich. Embrica Decora?