Blutspendezentrale Niederrhein schließt Ende Juni

Emmerich..  Bei Glatteis, Regen und Stürmen fuhr der Caddy seit zwölfeinhalb Jahren allwöchentlich nach Düsseldorf, um im Uni-Klinikum den hochwertigen Lebenssaft abzuliefern. Was widrigste Wetterverhältnisse nicht vermochten, schafften nüchtern kalkulierende Rechner: Die Uni-Klinik schließt Ende Juni ihre defizitäre Blutspendezentrale Niederrhein mit den Außenstellen in Xanten und Emmerich. Die Uni führt finanzielle Gründe an. Die am Niederrhein produzierten Blutkonserven seien doppelt so teuer wie auf dem freien Markt. Die Krankenhäuser in Emmerich und Xanten hatten es zuvor abgelehnt, die Spenderzentrale mit Finanzspritzen zu retten. Die Rede war von rund 50 000 Euro im Jahr. Und so wird schon am 25. Juni in den Räumen an der Willibrordstraße 1, die die Blutspendezentrale vom Spital angemietet hatte, der letzte Termin angeboten.

„Damit geht ein Stück Medizingeschichte am Niederrhein zu Ende“, kommentierte Dr. Joachim van Alst, Ärztlicher Leiter der Blutspendezentrale Niederrhein, das Aus der von viel Vertrauen getragenen Einrichtung, die von van Alst und seinen neun Mitarbeitern – einschließlich Fahrdienst – mit viel Herzblut betrieben wurde. „Wir haben einen guten Job gemacht“, sagte van Alst zur NRZ. Verständlich also, dass die Hiobsbotschaft beim Personal auch zu Tränen führte. Die treuen Spender dürften sich ihr handverlesenes Blut jetzt woanders abzapfen lassen.

Die Uni-Klinik fährt im Jahr ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe ein und zog jetzt die Notbremse. In Spitzenzeiten kamen im Jahr 2000 Spenden zusammen. Zuletzt waren es deutlich weniger. Warum, erläuterte Joachim van Alst: „Durch sich laufend verschärfende Zulassungskriterien, die durch Bundesoberbehördbalden vorgegeben werden, aber auch durch zusätzlich vom Institut für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin in Düsseldorf im Vergleich zu anderen Blutspendediensten noch verschärften Auflagen bei der Zulassung von Spendern konnten zuletzt die für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendigen Spendenzahlen nicht mehr erreicht werden.“

Folge: Ganze Spenderfamilien wanderten ab. Hinzu kamen gestiegene Personal- und Spritkosten.